BAYWATCH

USA, 2017 / 116 Min. 

Regie: Seth Gordon

Darsteller: Dwayne 'The Rock' Johnson, Zac Efron, Alexandra Daddarion, Kelly Rohrbach

Mehr Korsakov als Hasselhoff

 

An einem Strand in Malibu bilden sich mit Anabolika aufgepumpte Rettungsschwimmer ein, Detektiv spielen zu müssen. Als ein Päckchen Drogen auftaucht, nimmt Chef-Bademeister Mitch Buchannon (The Rock) die Spur auf…

 

Was war BAYWATCH nichts anderes als großbusige Blondinen, die in Zeitlupe den sonnigen Strand entlang laufen. Rote Badehosen, eingeöltes, sich kräuselndes Brusthaar und heiße Miezen mit Monsterhupen. 

Eine filmische Adaption dazu müsste ein enormes Maß an Selbstironie mitbringen, um zu funktionieren. Genau der richtige Job für Ex-Wrestler Dwayne „The Rock“ Johnson (SAN ANDREAS, FAST & FURIOUS 5 – 7) und Schönling Zac Efron (BAD NEIGHBORS, HIGH SCHOOL MUSICAL) könnte man meinen. Beide sind Komödien erprobt und mit der nötigen Strandfigur ausgestattet. Efron hat’s sogar etwas übertrieben auf der Hantelbank. Anakondamäßige, zum Bersten gespannte Adern durchziehen seinen Körper und blähen sich auf, als wollten sie jeden Moment platzen. Da war er sogar als klischeebeladener Highschool-Tänzer ein besseres Vorbild für die Kids. 

 

BAYWATCH – DER FILM knüpft an die Inhaltslosigkeit der Serie an und steht deren Intelligenzquotient in nichts nach. Schade leider, dass der Großteil der Gags nicht zündet, schlimmer noch: sich auf peinliche Penis-Witze spezialisiert. Ein Gemächt steckt in der Badeliege fest. Zac Efron begrabscht das Gehänge einer Leiche. Seriously!? Ich verstehe schon: die Zielgruppe ist jung und der Film nicht auf die BAYWATCH-Fans von damals zugeschnitten. Das Niveau der gebotenen Gags ist aber so low, da schämen sich sogar Vorschüler fremd. 

 

Zumindest sorgt die holde Weiblichkeit für optische Aufwertung. In weiteren Rollen Alexandra Daddario (SAN ANDREAS, TEXAS CHAINSAW 3D), die exotische Inderin Priyanka Chopra (DON 1 + 2, QUANTICO) und – als blondes Highlight – Kelly Rohrbach (PET SQUAD FILES) in der Rolle der CJ Parker, sprich: der damaligen Paraderolle von Vollblutblondine Pamela Anderson. Was wäre ein BAYWATCH-Film ohne einen kleinen Gastauftritt des ewigen Playmates oder auch des damaligen Produzenten und Hauptdarstellers David Hasselhoff (KNIGHT RIDER)? Freilich erweisen uns beide die Ehre, kommen aber furchtbar abgehalftert und träge rüber. Hasselhoff ist runzelig, grau und hat entweder eine Rehab zu viel oder zu wenig abgekriegt. Echt traurig. Da ist der Auftritt des Chef-Bademeisters in SPONGEBOB – DER FILM um einiges rühmlicher. 

 

Eine ironische Bodybuilder-Farce á la PAIN & GAIN ist BAYWATCH also nicht geworden. Ganz im Gegenteil. Der Körperkult wird hier ohne Kritik zelebriert. Die Muskelmänner und die hübschen Blondinen sind die Helden. Der Rest sind die Loser. Tolle Message. 

Der Film von Regisseur Seth Gordon (KILL THE BOSS, VOLL ABGEZOCKT) hat die Brisanz einer sanften Woge und ist so prickelnd wie Kinder, die ins Becken pinkeln. 

Bekloppte Serien auf neu zu trimmen und zum Kinoformat aufzublasen hat bei 21 JUMP STREET und MIAMI VICE funktioniert, hier aber leider nicht. Vielleicht klappt’s ja wieder bei „Friends – Der Film“ oder „MacGuyver: Reloaded“.

 

Fazit:

Abgesoffen – oder wie das Wasser an der Ostsee bei Ebbe: superflach. 

Die deutsche Blu-ray und DVD von Paramount Pictures enthalten den Extended Cut des Films und erscheinen am 12. Oktober 2017. 

Bilder: © Copyright Paramount , 2017