BLAIR WITCH

USA, 2016 /86 Min.

Regie: Adam Wingard

Darsteller: Corbin Reid, Wes Robinson, Valorie Curry

Bilder: © Copyright Studio Canal

Auf dem Holzweg

 

Hysterische Stadtmenschen, die noch niemals in ihrem Leben Campen waren, gehen im Wald spazieren und drehen völlig durch.

17 Jahre ist es her, dass sich drei Studenten in einem Wald in Maryland auf die Suche nach der Blair-Hexe machten und für immer verschwanden. BLAIR WITCH PROJECT machte im Jahre 1999 wacklige Kameraführung und Found-Footage-Horror salonfähig. Unzählige Nachahmer, darunter PARANORMAL ACTIVITY, REC, V/H/S, und ein Sequel sollten folgen.

BLAIR WITCH (Arbeitstitel: THE WOODS) ignoriert bewusst die Vorkommnisse von Teil 2 und knüpft direkt an Teil 1 an. James (James Allen McCune , SHAMELESS), der Bruder einer Vermissten, begibt sich mit einem Kamerateam auf die Fährte der verschwundenen Crew. Das klingt bekannt. So wähnt man sich beinahe in einer Art Remake. Viele Elemente des Originals sind enthalten, darunter die Holzmännchen, die ewige Nacht und das Haus mit den Handabdrücken an der Wand. Die größte Stärke des Originals war, dass im Grunde nichts gezeigt wurde und alles der Fantasie überlassen blieb. Teil 3 kopiert dieses Konzept die erste Hälfte lang. Dann fährt er, wohl aus dem Zwang heraus eins draufsetzen zu müssen, harte Geschütze auf und protzt mit fiesen Schocks und graphischer Gewalt. Und genau dabei begeht er die Fehler, die dem Film das Rückrat brechen. Mit dem ersten Splattereffekt verpufft jegliche Form von Gruselatmosphäre und Suspens. Plötzlich fühlt man nämlich, dass alles nur ein Film ist. Ein Horrorfilm und ein plumper obendrein. Tschüss Authentizität! Da kann die Kamera so viel wackeln wie sie will. Mark und Bein durchdringende Angst kommt nicht auf.

BLAIR WITCH ist ein netter Zeitvertreib und eine annehmbare Erweiterung des Plots. Unterm Strich aber leider nur platter Teenie-Horror. Ohne Rotz, der in die Kamera tropft, und ohne traumatisierenden Grusel. Da hat jüngst die B-Fraktion mit Filmen wie DON'T BREATHE, BEFORE I WAKE und LIGHTS OUT einfach bessere Arbeit geleitstet.
Von Regisseur Adam Wingard (YOU'RE NEXT, THE GUEST, A HORRIBLE WAY TO DIE).

 

Brother from another Mother