DAS BÖSE

OT: PHANTASM

USA, 1979 / 88 Min.

Regie: Don Coscarelli

Darsteller: A. Michael Baldwin, Bill Thornbury, Reggie Bannister, Angus Scrimm

In dem Mausoleum einer Kleinstadt haben sich menschlich aussehende Wesen aus einer anderen Dimension eingenistet. Ihr Ziel: die Versklavung der Toten. Diese werden auf Zwergengröße gepresst und durch ein Portal in ihre Dimension verbannt. Der Anführer der Bösen: der Tall Man (Angus Scrimm) – ein Riese, der mühelos Särge durch die Gegend bugsiert. Der kleine Mike, der vor kurzem seine Eltern verloren hat, kommt dem Treiben des Tall Mans Stück für Stück auf die Spur. Sein großer Bruder Jody und dessen Freund Reggie sind anfangs skeptisch, unterstützen ihn aber bald in seinen Plänen…

PHANTASM a.k.a. DAS BÖSE ist ein absoluter Klassiker des Horrorfilms und das, obwohl er mit wirklich wenig Budget aus dem Boden gestampft wurde. Die Stärke des Films sind nicht die Story, diese wirft mehr Fragen auf als sie letztlich beantwortet, und auch nicht die Gore-FX, diese sind hier nämlich noch relativ dünn gesät, sondern eindeutig seine Atmosphäre. Diese versprüht pure Dunkelheit und eine derart dichte Gruselfilmstimmung, dass man meinen könnte, die konzentrierte Nacht tropfe vom Bildschirm ins Wohnzimmer und färbe alles zappenduster. Diese packende Grundstimmung verdankt der Film zum einen dem einfachen Fakt, dass große Teile der Handlung nachts spielen, vor allem aber dem durch Mark und Bein gehenden Soundtrack, der neben dem Synthesizer-Scores aus Carpenters ASSAULT und KLAPPERSCHLANGE und den „Goblin“-Beiträgen zu TENEBRAE oder PROFONDO ROSSO eines der kultigsten Musikstücke unter den Horrorfilm-Themen darstellt. Hinzu kommen noch diverse verstörende Klangelemente, wie z.B. ein böses Surren hinter einer verschlossenen Tür.

 

Endlich FSK 16! Black Hill / Koch Media veröffentlichte den Film als Mediabook in drei Covervarianten. am 28.September 2017. 

Bilder: © Copyright Koch Media

Welche kultigen Elemente hat der Streifen noch zu bieten:

- ein abgetrennter Zeigefinger verwandelt sich in einen bissigen Mini-Critter

- das Portal auf den Planeten der Bösen, das nach dem Stimmgabel-Prinzip funktioniert

- der Tall Man, der scharfen Senf als Blut hat

- auf dem Friedhof fummeln und Motorrad fahren

- und vor allem: die Spheres – fliegende Metallkugeln mit integrierten Messern und Bohrern. 

 

Der Streifen ist ein auf Zelluloid gebannter Albtraum. Die Grenzen zwischen der filmischen Realität und Mikes Wahnphantasien verwischen. Auch die Szenenübergänge wirken oftmals wie im Traum. Dann weiß man nie wirklich, was Sache ist, da Story und Charaktere keinen Halt bieten. Die einzige Konstante im Film ist Mike und die Dunkelheit. Die Überlegung liegt nahe: Spielt sich der ganze Plot jetzt nur in Mikes verkorkstem Verstand ab? Wird Mike von seiner Amok laufenden Phantasie verschluckt?Der Film gibt darauf keine klare Antwort. Erst Teil 2 der Reihe verschafft in vielerlei Hinsicht Klarheit oder besser lenkt den im ersten Teil begonnenen Plot in eine bestimmte Richtung, sodass gewisse Storyelemente erst verständlich werden.

 

DAS BÖSE ist ein ziemlich schwer zu bewertender Film. Gäbe es die Fortsetzungen nicht, ich weiß nicht, ob über den Streifen immer noch in so hohen Tönen gesprochen werden würde. DAS BÖSE unterscheidet sich jedenfalls immens von Klassikern wie DAS OMEN oder HALLOWEEN, die damals die Kinos regierten, und zwar nicht nur in Punkto Budget, sondern auch in Bildsprache und Erzählstil. Unterm Strich kann man ihn als phantastischen, kompromisslosen Trip in eine pechschwarze Parallelwelt werten, der vollends in seinen Bann schlägt und sich in der Psyche festkrallt wie Killerzecken.

 

Fazit:Der Teil, in dem die Kugeln das Fliegen lernten. Unumgänglicher Pflichtstoff für jeden Horrorfan!

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