DEATH WISH 

USA, 2018 /108 Min. 

Regie: Eli Roth

Darsteller: Bruce Willis, Elisabeth Shue, Vincent D'Onofrio, Dean Norris

"Hey Man Nice Shot"

 

Bruce Willis sieht rot. HOSTEL-Regisseur Eli Roth beschert EIN MANN SIEHT ROT, dem Prototyp des Selbstjustizthrillers, eine moderne, zeitgemäße Neuauflage. Wobei: Wie modern, zeitgemäß und legitim ist Selbstjustiz überhaupt noch? Terroristische Akte und wöchentliche Schulamokläufe lassen an der Rechtfertigung zweifeln, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen und vor allem mit Waffengewalt durchzusetzen. Interessant was Eli Roth daraus macht, der nicht unbedingt für sein Fingerspitzengefühl, sondern eher für seine Hau-drauf-Prämisse (siehe GREEN INFERNO, CABIN FEVER) bekannt ist. 

 

Inhaltlich bewegt sich Roth nahe am Original, wenn auch mit leichten Abänderungen. Arzt Paul Kersey (Bruce Willis) lebt ein beschauliches Leben in Wohlstand. Eines Nachts brechen Unbekannte bei ihm zuhause ein und verletzen Frau und Tochter schwerst. Danach ist sein Leben nicht mehr dasselbe. Nach Sonnenuntergang streicht Kersey durch die Ghettos und befreit die Strassen Chicagos von verbrecherischem Abschaum mit seiner Wumme. 


Was nach TAXI DRIVER klingt, entpuppt sich ganz schnell als ein "How to become a Waffennarr". Eli Roth setzt der Rachethematik seinen ganz persönlichen Stempel auf. Herausgekommen ist ein Nobrainer – oder zumindest ein "Lowbrainer" – ohne Pazifismus und moralischen Anspruch. Für Kritik, Tiefgründigkeit und Reue hat der Film keine Zeit. Dafür für übertriebene Gewaltdarstellung, die fast schon an spaßbetonten Splatter grenzt. Die Shootouts sind rasant und blutig. Bruce Willis ballert im JOHN-WICK-Modus und erzeugt Wow-Action mit beinahe unpassend wirkender Coolness. Dazu flotte Partymusik von AC/DC und Chief Keef, fertig ist der reaktionäre, konservative, primitive Selbstjustiz-Klopper für die Spaßgesellschaft. Damit tritt DEATH WISH in

ähnliche Fußstapfen wie 96 HOURS, PUNISHER und bereits erwähntem JOHN WICK. Die Kombination aus Selbstjustiz und coolen Schießereien macht durchwegs Spaß, bleibt nur die Frage, ob das in einem Remake von EIN MANN SIEHT ROT so passend ist. Und genau dabei werden sich die Geister dann wohl scheiden. 

 

Von Charles Bronsons innerer Zerrissenheit und seinem existenziellen Schmerz ist hier nichts zu spüren. Dafür ist Bruce Willis wirklich in Topform. Den von Staat und Gesetzeshütern im Stich gelassenen Racheengel, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt, nimmt man ihm zwar nicht unbedingt ab. Dennoch macht es Spaß, dem gealterten "John McClane" in Action zu sehen. Seine Performance reißt hier so einiges raus. 

 

Der neue DEATH WISH ist ein Rache-Actioner, der irgendwie nicht in die heutigen Zeiten passen will. Dies macht ihn aber keineswegs zu einem schlechten Film. Eine Medienstimme verlautete "Donald Trump würde diesen Film lieben!" Dem kann man nicht ganz widersprechen, da es dem Streifen doch sehr an Selbstreflexion und Waffenkritik mangelt. Schafft man es jedoch diese moralische Keule über Bord zu werfen, kann man mit Eli Roths DEATH WISH durchaus seine Freude haben. 

 

EIN MANN SIEHT ROT mit Charles Bronson im Februar 2018 vom Index runter – DEATH WISH drauf? Wohl eher nicht. Vielleicht darf man sich ja auf ein Double Feature auf DVD freuen, auch wenn beide verglichen wirken wie Stiefbrüder. 

 

Fazit: 

Yippee Ki Yay, Motherf*cker!