DELIRIUM

Deutschland, Italien, Schweiz / 2015 / 79 Min.

Regie: Cosmotropia de Xam

Darsteller: Shivabel Coeurnoir, Maya Schneider, Marcus Littwin, Theo TetraGrammaton, Feng Lingling

Parasiten, die das Gehirn übernehmen. Paranoia und Amnesie kontrollieren die Stadt. Großstadt-Dystropie. Ein Ausnahmezustand. Ein Horrortrip. Eine hübsche Protagonistin taumelt schlafwandlerisch durch ein alptraumhaftes Großstadtszenario. Tentakel und Meeresfrüchte. Wer ist die mysteriöse Person, die die Parasiten kontrolliert und was ist ihr Plan?

DELIRIUM ist eine deutsch-italienische Eigenproduktion. Komplett unabhängig finanziert und daher künstlerisch komplett frei. Gedreht wurde in Mailand, Italien, und wer sich hinter dem Pseudonym des Regisseurs, Cosmotropia de Xam, verbirgt, bleibt geheim. Nur soviel: die Person steckt auch hinter dem Projekt "Drug Machine" und ist für den niederschmetternd tristen, hypnotischen Witch-House-Soundtrack des Films verantwortlich.

Netzhautsprengendes Strobogewitter. Unharmonisch ineinander fließende Überblendungen. So ziemlich alle visuellen Verfremdungseffekte, die die digitale Wunderwelt hergibt. Gelebte Ereignislosigkeit und ein Fehlen von Dialogen, das auf die Sprachlosigkeit der Moderne hinweist. DELIRIUM macht es dem Zuschauer schwer. Die Suche nach Sinn, Logik und Handlung erscheint aussichtslos. Das Hirn will fliehen, doch der Körper ist von den surrealen Bildern paralysiert und zwischen den Augen stecken Zahnstocher. DELIRIUM wandelt auf dem schmalen Grad zwischen psychischer Folter und Bewusstseinserweiterung. Der Experimentalfilm versteht sich als Hommage an Lynch, Cronenberg und japanischen Cyberpunk der 90er. Tatsächlich fallen deutliche Parallelen zu TETSUO, aber auch Zulawskis POSSESSION auf. Und der Videorecorderschlitz im Bauch der Protagonistin spricht eine klare Sprache.

DELIRIUM ist ein ungemütlicher, verstörender Film. Von Film"genuss" kann nur schwerlich die Rede sein. Eine große Herausforderung. Ein Film wie ein wilder Drogenrausch. Ein ganz böser Trip. Ob eine nackte Frau mit Tintenfisch im Mund nun Kunst ist oder nicht, muss jeder selbst entscheiden. Das Filmfestival Tokio tat dies und zeichnete DELIRIUM gleich zweimal aus.

In Punkto Style punktet DELIRIUM auf ganzer Linie. So gibt's den Film auf DVD in diversen Coverdesigns, auf VHS (super limitiert versteht sich) und den Soundtrack auf Vinyl.

Da kann man auf Cosmotropia de Xams nächsten Streich, SUCCUBUS, nur gespannt sein.

 

Mindfuck for the Witch House Generation

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