DEVIL STORY

OT: Il était une fois le diable

Frankreich, 1985 /72 Min.

Regie: Bernard Launois

Darsteller: Véronique Renaud, Marcel Portier, Catherine Day

Kommen wir heute zu einem absoluten Kuriosum unter den Amateur-Splatterfilmen. DEVIL STORY ist eine französische Produktion aus der Mitte der 1980er-Jahre. Sam Raimis EVIL DEAD machte also bereits von sich Reden und inspirierte weltweit die Phantasie der Kategorie-C-bis-Z-Filmemacher. So wohl auch die der Verantwortlichen dieses Schmachtfetzens. Das Besondere an DEVIL STORY ist, dass er neben dem – für Zero-Budget-Produktionen so üblichen – schier unerträglichen Maß an Billig- und Stumpfsinnigkeit mit einer „Handlung“ daherkommt, die tatsächlich ihresgleichen sucht. Die Handlung, wenn man sie denn so nennen will, ist nämlich nicht nur doof und strotzt vor Logiklücken, sondern ist einfach nur vollkommen wahnsinnig. Vollkommen! Und ich meine jetzt nicht nur so „Jim Carry in ICH BEIDE & SIE“-wahnsinnig. Aber seht selbst! 

Der Film beginnt mit einem Zombie in SS-Uniform, der durch den Wald humpelt und Amok läuft. Ein Camper und ein Rentnerpaar müssen dran glauben. Zeitgleich befindet sich in dem Wald auch ein junges, frisch 

verheiratetes Pärchen. Die Frau ist hysterisch und phantasiert von tollwütigen, schlecht synchronisierten Katzen, die ihr die Hände zerkratzen. Ziellos fahren die Beiden an der französischen Steilküste entlang, bis sie auf ein prunkvolles, Schloss ähnliches Anwesen stoßen, wo ein Jäger mit seiner Frau lebt. Der Jäger (ich nenne den Kerl einfach mal Jäger, weil er so gekleidet ist und ein Gewehr herum schleppt) bietet den Verirrten ein Nachtquartier an und erzählt ihnen bei Kaminfeuer die Geschichte von einem britischen Schiff, das vor Ewigkeiten zur Zeit des Equinox, der Tagnachtgleiche, in dieser Gegend spurlos verschwand. Es folgen Aufnahmen von einem Pferd, das permanent durchgeht und sich aufbäumt, einem Totengräber-Zombie, der von der Frau des Jägers zur Zwangsarbeit auf dem Friedhof misshandelt wird, und ganz schlecht animierte Blitze. Ein Schiff erhebt sich aus dem Sandstrand. An Bord ist ein Sarkophag mit einer Mumie drin. Diese erwacht zum Leben und kotzt blauen Schleim. Achtung: Jetzt wird’s wirr! Die Mumie haucht auf dem Friedhof einer Frau mit Kleopatra-Frisur neues Leben ein. Die hysterische Frau vom Anfang beobachtet diese Szenerie zufällig und flüchtet in

den Wald. Plötzlich ist helllichter Tag. Bei dem Totengräber-Zombie handelt es sich wohl um den Nazizombie vom Anfang. Er bekommt von dem wilden Pferd einen Tritt ab, sodass ihm fortan die Stirn in Fetzen vom Schädel hängt. Der Jäger schießt mit seiner Flinte auf das Pferd, von dem irgendeine übersinnliche Kraft ausgeht, trifft es aber nicht. Der Jäger schießt auf die Mumie, was dieser aber natürlich gar nichts ausmacht. Die Mumie killt den Jäger. Ein leichter Tritt auf die Leiche lässt die Eingeweide hervor quellen (megamieser FX!). Die Hysterikerin, die all dies mitverfolgt hat, flüchtet weiter und – …naja okay, jetzt kann ich im Grunde auch gleich den Schluss verraten – jagt die Mumie mit seiner Geliebten mit einem Fass voll Schwarzpulver in die Luft. Der Zombie wird angefahren, mit Benzin übergossen und angezündet. Happy End. 

Diejenigen, die nun ein oder gleich mehrere Fragezeichen über ihren Köpfen aufblinken fühlen, dürfen dies als Ausdruck ihres klaren Verstandes werten. Der Streifen macht tatsächlich so gut wie gar keinen Sinn und überlässt es quasi dem Zuschauer, sich aus den dargebotenen Fragmenten selbst eine Story zu basteln. Echt irre wie zusammenhanglos hier die Szenen aneinander geschustert wurden. Das erinnert vom Grad des Dilettantismus beinahe an philippinische Produktionen. DEVIL STORY ist billigste Amateurhorror-Plörre, soviel steht fest. Ein wilder Mix aus Unvermögen, Fehlern, Nazizombies und Mumien. Doch der Streifen hat auch positive Aspekte, z.B. eine ziemlich hübsche Hauptdarstellerin, was ja schon mal so einiges ist. Vergleicht man DEVIL STORY mit deutschen Amateursplatter-Klassikern á la VIOLENT SHIT, SPACE WOLF, DAS KOMABRUTALE DUELL oder den frühen Ittenbach-Filmen erkennt man gewiss viele Ähnlichkeiten. Durch die Settings wie die Steilküste und die Schlossanlage wirkt DEVIL STORY aber einen Ticken hochwertiger. Stünde hinter dem Bilderchaos wirklich ein Plan, so müsste man den Streifen dem Avantgarde oder dem Kunstfilm zuordnen und ihn mit Werken von Jodorowsky, Tarkowski und Lynch vergleichen. Wir tun dies mal geflissentlich nicht. Ferner umgibt das Machwerk ja nicht nur dieses gewisse französische Flair, das man auch aus den Filmen von Jean Rollin (REQUIEM FOR A 

VAMPIRE, RAPE OF THE VAMPIRE) kennt, sondern auch ein gewisser Mythos, den jetzt vor allem VHS-Sammler nachempfinden können dürften. So war und ist das deutsche Tape, so zerstückelt es auch sein mag, ein begehrtes Sammelobjekt. Aus cineastischer Sicht kreist der Mumpitz also klar in der Nähe der Niedrigstwertung. Aus Trash- und Liebhabersicht aber sahnt der Teufelskerl ordentlich ab. 

DEVIL STORY – also mindestens zwei Dinge stimmen an dem Titel nicht... 

Fazit: 
Zumindest ein Film, der seinem Ruf gerecht wird. Wahrhaft teuflischer Trash.

Cover der deutschen VHS

Bildquelle: letterboxd.com / mummyboon.com / pinterest