THE DISASTER ARTIST

USA, 2017 / 104 Min. 

Regie: James Franco

Darsteller: James Franco, Dave Franco, Zoey, Deutch, Seth Rogen, Zac Efron, Bryan Cranston, Sharon Stone

ED WOOD reloaded

Der aufstrebende Schauspieler Greg (Dave Franco) lernt in der Schauspielschule den extravaganten und exzentrischen Tommy Wiseau (James Franco) kennen. Beide beschließen ihren Traum vom Filmemachen wahr werden zu lassen und ziehen nach Hollywood...

 

THE DISASTER ARTIST – ein Film über einen Film. Aber nicht irgendeinen Film. Ein Film über den (mutmaßlich) schlechtesten Film der Welt: THE ROOM. THE ROOM ist eine cineastische Katastrophe, hat aber dennoch Wellen geschlagen und sich eine Fanbase aufgebaut. Und das trotz wahrlich verheerender filmischer Mängel. Billigste Sets. Langweilige Schauplätze. Untalentierte Schauspieler. Völlig unlogisch agierende Charaktere, die sich Kissenschlachten liefern oder auf dem Dach Football spielen. Dialoge, so hölzern und blechern, dass man nicht weiß, ob man in einem Drama oder einer Komödie gelandet ist. Und vor allem: ein Hauptdarsteller wie ein Alien, der nicht richtig Englisch kann und alles falsch ausspricht und betont. Der "What-the-Fuck"-Moment ist auf jeden Fall gewiss. 

THE ROOM hätte ein Film über Beziehungs- und Lebenskrisen sein sollen. Protagonist Johnny (Tommy Wiseau), der vom höchsten Liebesglück in tiefstes Unglück stützt und sich von allen verlassen am Boden zerstört wiederfindet. Die Liebe des Lebens, die einen hintergeht. Beste Freunde, die sich aufs Fleisch hassen lernen. Ein Film über Betrug, Intrigen und Hysterie. Das ist es, was THE ROOM hätte sein wollen. Was THE ROOM wirklich geworden ist, erzählt James Franco in THE DISASTER ARTIST. 

 

"I did not hit her. It's not true. It's Bullshit! I did not hit her! I did naaaht..... Oh hi Mark!

 

Im Zentrum des Geschehens steht die schillernde Persönlichkeit von Tommy Wiseau, um den immer noch Mythen ranken. Wiseau – eine Erscheinung wie jemand, der sich im Jahrzehnt verirrt hat. Lange, schwarze Heavy-Metal-Mähne. Offenes weißes Hemd. Ketten und Nieten. Ein Gesicht zum Reintreten. Dafür ein Körper wie ein Bodybuilder. Alter und Herkunft unbekannt. Ein seltsamer, osteuropäisch klingender Akzent, den Wiseau aber stets abstreitet. Ebenso unbekannt: die Herkunft der 6 Mio. Dollar, die ihn die Produktion von THE ROOM gekostet hat. Das sind 6 Mio. Dollar, die man dem Film nebenbei bemerkt in keinster Weise ansieht.

THE DISASTER ARTIST erzählt nun von den Höhe und Tiefen der Filmproduktion. Von der anfänglichen Euphorie und den immer lauter werdenden Zweifeln. Von Crewmitgliedern, die sich abwenden. Und von Lisa, die unzählige Male auf die Couch geschubst wird. 

 

"YOU'RE TEARING ME APART, LISA!!!"

 

THE DISASTER ARTIST ist zum Brüllen komisch. Die Clique um James Franco und Seth Rogen (ANANAS EXPRESS, THE INTERVIEW)  liefert erneut beste Unterhaltung ab. Besser noch: die Blödelbarden kommen weg von ihrem infantilen Humor und zeigen sich subtil und geistreich. Was in THE DISASTER ARTIST als lustig dargestellt wird, ist bei näherer Betrachtung allerdings bitterernst. Es geht um Tommy Wiseau, der sich die Hauptrolle in seinem eigenen Film andichtete und das, obwohl er selbst nicht mit Schönheit gesegnet war und ihm sein Schauspiellehrer eine Karriere als Frankensteins Monster nahe legte. Somit ist THE DISASTER ARTIST nämlich auch die Geschichte von Verkennung und großem Scheitern. Und gleichzeitig auch nicht. Wie man sieht, hat es THE ROOM mittlerweile ja irgendwie zu Kultstatus gebracht. Wie man THE ROOM bewertet, sei jedem selbst überlassen. THE DISASTER ARTIST wurde jedenfalls im Januar 2018 mit dem Golden Globe für die beste männliche Hauptrolle ausgezeichnet und ist somit ein heißer Anwärter für die Oscars. Zurecht: Franco bekommt Wiseaus verschrobenen Akzent nahezu perfekt hin. Deshalb THE DISASTER ARTIST unbedingt im O-Ton schauen!

 

"...anyway, how is your sex life?"

 

THE DISASTER ARTIST ist keine wirkliche Hommage an den Trash, sondern eher eine stille Verbeugung vor unnachgiebigem Durchhaltevermögen und Ratschlagsresistenz. Ein gewisses Faible für Underdogs und B-Movies muss James Franco aber dennoch gehabt haben. Sein Film erinnert an Meta-Werke wie ED WOOD, LIVING IN OBLIVION und BEST WORST MOVIE

 

Deutscher Kinostart: 01. Februar 2018