In der Furchtwerkstatt

Interview mit Luke Barnett (Produzent) und Vincent Masciale (Regie), den Machern des Home-Invasion-Schockers FEAR INC. 

Interview geführt im Oktober 2016

In Regensburg fand Ende September das kleine, aber feine Hard:line Festival statt. Ein Filmfest für den anspruchsvollen und gruselfreudigen Oberpfälzer. Als Eröffnungsfilm sollte der Horrorfilm FEAR INC. den vier Tage langen Glotzmarathon einläuten. Auf was man sich einstellen konnte, war noch nicht abzusehen. Der Film feierte in Regensburg Europapremiere. Man versprach sich eine Mischung aus Torture-Porn, Home Invasion und Horrorkomödie. Die Macher des Films, der Regisseur Vincent Masciale und der Produzenten Luke Barnett, waren extra aus Kalifornien angereist. Ich traf die Zwei im Biergarten der zum Kino gehörigen Kneipe. Bei Gerstensaft und Weinschorle gingen wir der Furcht auf den Grund und dem, was sie so faszinierend und unterhaltsam macht. 

 

GhostShit: 

FEAR INC. ist euer erster Feature-Film. Herzlichen Glückwunsch dazu!

 

Vincent Masciale: 

Ja, es ist unser erster großer Film. Wir haben gemeinsam mehrere Kurzfilme gemacht. Einer dieser Kurzfilme hieß FEAR INC. Er diente als Grundidee für den Langfilm. Die Publikumsreaktionen waren sehr positiv und meinten durchgehend: "Macht da einen Film daraus! Macht da einen Film daraus!"

 

GhostShit:

Zuvor hattet ihr noch eine Webserie am Laufen. THE WALKING FRED, wenn ich mich recht erinnere?

 

Luke Barnett:

Ja, das war eine Webserie für "Funny or die". Für diese Webseite haben wir ein paar humoristische Videos produziert. THE WALKING FRED war als eine Art Parodie auf THE WALKING DEAD gedacht.

 

GhostShit:

So ist FEAR INC. nicht das erste Mal, dass ihr zusammen arbeitet?

 

Luke Barnett:

Nein, wir arbeiten seit ca. 4 oder 5 Jahren zusammen. Wir haben uns bei der Zusammenarbeit an den Videos für die Webserie kennengelernt. 

 

Ghost:

Und nun euer erster gemeinsamer Feature-Film. FEAR INC. kam bei seinen ersten Screenings in den USA sehr gut beim Publikum an und wurde sofort mit CABIN IN THE WOODS und YOU'RE NEXT verglichen. Gefallen euch diese Vergleiche?

 

Vincent Masciale: 

Unser Film enthält viele Anspielungen auf Horrorfilme im Allgemeinen. Unsere Intention war es, vor genannten Klassikern den Hut zu ziehen, weil wir selbst große Filmfans sind. Deshalb ist es eine große Ehre mit solchen Filmen verglichen zu werden. 

 

Luke: 

Ich würde sagen, die Vergleiche zu SCREAM und CABIN IN THE WOODS treffen es am besten. Besonders im Bezug auf die Vermengung von Horror- und Komikelementen. 

 

Vincent:

SCREAM von Wes Craven kam raus als wir in der Highschool waren. Wir beide liebten diesen Film.

 

Luke: 

Eine der großen Stärken an SCREAM und CABIN IN THE WOODS ist, dass er in seinen lustigen Momenten richtig lustig ist. Und in seinen unheimlichen Momenten ist er wirklich unheimlich (lacht). Wir wollten eine Mischung aus eben diesen Elementen erzeugen. 

Luke Barnett (links) und Vincent Masciale (rechts

Ghost:

Was würdet ihr sagen: Ist es heutzutage eigentlich noch möglich einen Film zu drehen, der dem Publikum richtig Angst einjagt? 

 

Vincent:

Das mit dem Erschrecken ist schon so eine Sache. Es ist in etwa wie Comedy. Man weiß nie so wirklich, ob es beim Publikum funktioniert. Deshalb orientiert man sich da am besten bei sich selbst. Wir bringen im Film Sachen, die wir selbst witzig finden. Oder eben Sachen, die uns selbst Angst einjagen. 

 

Luke:

Sowohl bei Comedy als auch im Horror geht es um Timing. Wenn das Timing stimmt, dann funktioniert es. 

 

Ghost:

Was sind eure Pläne für die Zukunft? Habt ihr aktuell neue Projekte?

 

Vincent: 

Ja, wird haben bereits vor FEAR INC. an TV-Serien gearbeitet. Damit geht's erstmal weiter. Luke schreibt gerade an einem neuen Script. Das wird sich wohl eher in Richtung Thrillerkomödie entwickeln. Aber mit tief schwarzem Humor. 

 

Luke:

Genau. Kennst du NIGHTCRAWLER mit Jake Gyllenhaal? Mir schwebt da eine Comedy-Version von NIGHTCRAWLER vor. Ich mag die psychologischen Anteile des Films. Und wenn man so will, kann man ihn auch als bitterböse Schwarze Komödie sehen. Aber das ist noch in der Entwicklung. Nach diesem Festival geht es für uns erstmal weiter nach Sitges.

 

Ghost:

Alles klar. Ich bedanke mich das nette Interview. Ich bin jetzt schon sehr gespannt auf euren Film. 

Ghost:

Das beantwortet schon fast meine nächste Frage. In welches Genre lässt sich euer Film einordnen? 

 

Vincent: 

Ja, wie gesagt, der Film bietet sowohl Horror als auch Humor. Er enthält viele Twists und Wendungen. Somit lässt er sich nur schwer einordnen. Aber genau das macht es spannend. 

 

Luke:

Wir wollten dem Publikum einfach eine wilde Achterbahnfahrt bieten. FEAR INC. kann als Satire auf die Horrorindustrie gesehen werden. Eine Satire auf die Besessenheit der Leute, mit ihrer Angst immer an die Grenzen gehen zu wollen. 

 

Ghost:

Wie wichtig war euch die Darstellung von Gewalt? 

 

Vincent: 

Der Film enthält ein paar intensive Gewaltszenen. Wir wollten es authentisch halten. Deshalb mussten wir ein paar Mal etwas drastischer werden, um die Intensität der Handlung wiederzuspiegeln. Aber wir wollte es eigentlich nicht unnötig übertreiben.

 

Luke: 

Im Film geht es ja um diesen Kerl, der eine Firma beauftragt, ihm und seinen Freunden all diese schlimmen Dinge anzutun. Also mussten das auch Sachen sein, die im Rahmen des Möglichen sind. 

 

Ghost:

Ihr habt viele große Namen ins Boot geholt. Chris Marquette, Richard Riele... Abigail Breslin, die für ihre Rolle in LITTLE MISS SUNSHINE im Alter von 11 Jahren für den Oscar nominiert wurde. Wie empfandet ihr die Zusammenarbeit? War das nicht beängstigend, gleich beim ersten Feature-Film mit so namhaften Schauspielern zu tun zu haben?

 

Vincent: 

Oh doch, das war in er Tat ein wenig beängstigend. Aber wir haben uns so viel mit der Handlung und dem Konzept beschäftigt, dass wir uns am Ende unserer Sache schon ziemlich sicher waren. Es waren alle ganz nett und am Set ging es sehr familiär zu. 

 

Ghost:

Der Film handelt von einer Firma, die beauftragt wird, Leute zu Tode zu erschrecken. Was war die Idee dahinter?

 

Vincent: 

Ein Freund von Luke hat uns auf die Idee gebracht. Dazu muss ich sagen, in den USA gibt es überall "Haunted Houses" [Anm. d. Red.: eine Art begehbare Geisterbahn]. Die erfreuen sich dort wahnsinniger Beliebtheit. Die Leute geben eine Menge Geld dafür aus und lassen sich dort erschrecken. 

 

Luke: 

Genau, dieser Freund von mir, er war ein Riesenfan dieser "Haunted Houses". Er hatte bereits alle "Haunted Houses" in Los Angeles abgeklappert. Er hatte Spaß, war aber immer ein bisschen enttäuscht. Dann hörte er von diesem einen "Haunted House" namens "Blackout". Das versprach besonders gruselig zu sein. "Blackout" ist sehr teuer. Man unterschreibt eine Art Einverständniserklärung. Sie stecken einen da drin in einen Sarg und erschrecken einen auf die schlimmstmögliche Weise. Für mich klang das zu hart, also begleitete ich ihn nicht. Als ich ihn dann Wochen später traf, fragte ich ihn, wie es ihm gefallen habe. Er meinte, dass er es besser fand, als alle anderen "Haunted Houses", aber er war dennoch enttäuscht. Ich dachte, der Typ ist doch verrückt. Aber dadurch kam ich auf die Idee. Die Vorstellung, dass es eine Firma gibt, die als Dienstleistung anbietet, den Kunden bis ins Mark zu erschrecken, empfand ich als gar nicht so weit weg von der Realität. 

Luke Barnett

Vincent Masciale

Luke (links) und Vincent (rechts)