“Three German Tales Of Love, Sex And Death In Berlin.“ (Klappentext)

Die große, glorreiche aka „gore-reiche“ Rückkehr des Herrn Buttgereit (NEKROMANTIK, SCHRAMM) zum Exploitationkino sollte es sein. Ganz ehrlich, ich hatte meine Erwartungen weit zurückgeschraubt, denn wenn etwas zu schön klingt um wahr zu sein, dann ist es das meistens auch. Innerlich schon gefasst auf ein Desaster und natürlich trotzdem gespannt wie Sau, kam ich dann auf den Fantasy Filmfest Nights 2015 in den Genuss des Film. „Genuss“? – Naja, teils teils.

Der Episodenfilm beginnt mit der Geschichte „Final Girl“ von Jörg Buttgereit. Plattenbau-Atmosphäre. Ein Mädchen mit Zahnspange foltert einen ans Bett gefesselten Mann. Eine mädchenhafte Erzählerstimme, Kinderzeichnungen, ein Meerschweinchen… Buttis Beitrag ist ums kurz zu machen der beste im Bunde und knüpft astrein an die früheren Werke des Godzilla-Fans an. Alles ganz schlicht, einfach, aufs Wesentliche reduziert, minimalistisch und mit tollen Kameraeinstellungen. Die Kastration erfolgt zwar nur im Off. Fans werden dennoch begeistert sein.
Episode Nr. 2 „Make A Wish“ von Michal Kosakowski (ZERO KILLED) handelt von einem taubstummen Pärchen, das in einer stillgelegten Fabrikanlage von einer Gruppe rechtsradikaler Hooligans zu matsch geprügelt wird. Ein Amulett ermöglicht einen Seelentausch. Plötzlich schlüpft ein Täter in den Körper des Opfers… Mittelprächtiger Beitrag, der nicht ganz fertig gedacht wirkt. Andreas Pape (KETTENSÄGEN ZOMBIES) begeistert als A-Klasse-Darsteller. Der Rest wirkt aufgesetzt und übertrieben. Was bleibt ist eine unausgegorene Story mit fragwürdiger Moral. Der Schlechteste der Drei.

German Angst

Deutschland / 2015 / 112 Min.
Regie: Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marschall,
Darsteller: Milton Welsh, Annika Strauss, Daniel Faust, Lola Gave

Von links: Jörg Buttgereit, Andreas Marschall, Michal Kosakowski

Bildquelle: filmstarts.de / iheartberlin.de / filmforum-bremen.de

“Alraune” von Andreas Marschall (MASKS, TEARS OF KALI) ist der dritte und letzte Beitrag im Bunde. Der „Poster Artist“ von NEKROMANTIK entführt uns in die Gothic- und Sexclubszene. Lebemensch Eden (Milton Welsh [sieht aus wie Ben Beckers kleiner Bruder], GRAND BUDAPEST HOTEL) gerät in die Fänge eines exklusiven, alle Sinne betörenden Nachtclubs. Eine besänftigende Episode und das trotz einiger Längen und hanebüchenem Showdown, welche an EYES WIDE SHUT und TULPA erinnert.

 

Unterm Strich bietet GERMAN ANGST angemessene Unterhaltung, wobei man Story 2 und 3 ruhig etwas flotter, knackiger und kürzer erzählen hätte können. Qualitativ bewegt man sich auf dem Niveau von ABC’s OF DEATH. Da ist ja auch mal ein Shorty besser als der andere. Schade daher, dass man hier nur drei geboten bekommt. Fortsetzung?

 

Fazit:Ganz nett, leider nicht wirklich mehr. Als Beweis dafür, dass deutscher Genrefilm lebt, aber essentiell.