GHOST IN THE SHELL

 

USA, 2017 / 107 Min.

Darsteller: Scarlett Johansson, Michael Pitt, Juliette Binoche, Takeshi Kitano,

Regie: Rupert Sanders

In ferner Zukunft sind Cyborgassistenten, kybernetische Prothesen und maschinelle Ersatzteile normal geworden. Was mit der Polizistin Major (Scarlett Johansson) nach einer lebensgefährlichen Verletzung passiert, ist aber einzigartig und neu. Ihr Gehirn wird in eine maschinelle Ganzkörperprothese verpflanzt, wobei ihr Geist und Bewusstsein erhalten bleiben. Major wird auf einen Cyberterroristen angesetzt und findet sich in einer Sinnkrise wieder…

Der japanische Anime GHOST IN THE SHELL (1995) war zusammen mit AKIRA (1988) und TESTUO (1989) für japanische Cyber-Punk-Dystopien wegweisend und wird gerne mit Filmen wie BLADE RUNNER, MATRIX und STRANGE DAYS in einem Atemzug genannt. Eine Polizistin halb Mensch halb Maschine. Wo ROBOCOP (1987) mit Dampfhammer und Dauerfeuer agierte, wurde in GHOST IN THE SHELL vermehrt auf die innere Zerrissenheit seiner Protagonistin und ihre Entfremdung zum eigenen Körper eingegangen. Ob dem die westliche Interpretation gerecht wird?

 

"Domo arigato, Mr. Roboto!"

Bilder: © Copyright Paramount Pictures

Der Hollywood-Ableger beginnt stilecht und originalgetreu. Viele Szenen wirken 1:1 übernommen, bildgewaltig und höchst ästhetisch. Eine düstere Multimillionen-Metropole mit monströsen Wolkenkratzern und gigantischen Werbehologrammen. Cyborg-Geishas und Staubsaugerroboter. Die totale Technologisierung. Genau so hat man sich „Neo Tokyo“ vorgestellt.
Viel von Glaubwürdigkeit und Wirkung des Films hängt an der Protagonistin. Scarlett Johansson (LOST IN TRANSLATION, AVENGERS) ist bildhübsch und doch spröde.

Die Zerrissenheit nimmt man ihr ab, die Actionszenen aber nicht. Das Konzept „Sexy Darstellerin meets Sci-Fi-Action“ erinnert an Gurken wie AEON FLUX und ULTRAVIOLET. Die Szenen, in denen Frau Johansson ihre Klamotten ablegt und in einem hautengen Stealth-Body herumläuft, der nicht viel Spielraum für Phantasie lässt, haben aber Schauwert.
In weiteren Rollen: Michael Pitt (FUNNY GAMES U.S., LAST DAYS) kann als Tetsuo-ähnlicher Bösewicht nicht überzeugen. Takeshi Kitano (HANA-BI, TAKESHIS CASTLE) – es tut so gut ihn mal wieder auf der großen Leinwand zu sehen. Juliette Binoche (DER ENGLISCHE PATIENT, DREI FARBEN: BLAU) und Pilou Asbæk (LUCY, BEN HUR).

Schwer zu sagen, was sonst so passiert. Die Story unterliegt der Optik. Diese ist vollkommen überladen und überfordert das Zuschauerhirn. EX MACHINA (2015) oder die Serie WESTWORLD (2016) wirken dagegen schlicht und reduziert, allerdings auch wesentlich augenfreundlicher und fesselnder.
Die Einspielergebnisse von GHOST IN THE SHELL (2017) am Eröffnungswochenende waren ein Desaster. Dies kann man vielseitig deuten. Hinzu kommen die Vorwürfe von „Whitewashing“ (Anm.: der Einsatz von weißen Darstellern für historische Figuren, die nicht weiß sind) und das Gerücht, das Gesicht der Protagonistin sei in der Postproduktion digital nachgebessert und auf asiatisch getrimmt worden.

BLADE RUNNER, A.I., JOHNNY MNEMONIC, EX MACHINA… – die Liste der Vergleiche ist lang. Recht viel Eigenständigkeit bleibt da für die US-Version von GHOST IN THE SHELL nicht übrig. Zumal die Action auch nicht sonderlich überzeugt, bleibt einzig der Optik-Overkill als Unterhaltungsfaktor.

Fazit:
Dystopisches Sci-Fi-Eyecandy ohne Tiefgang und – ganz im Gegensatz zum Cyborg im Film – ohne Seele.

DVD und Blu-ray von Paramount / Universal im Handel erhältlich.