HAGAZUSSA - Der Hexenfluch

Österreich, Deutschland, 2018 / 

Regie: Lukas Feigelfeld

Darsteller: Aleksandra Cwen, Celina Peter, Claudia Martini

Wie war das wohl damals in einem erzkatholischen Bergdorf im 15.Jahrhundert als Black-Metal-Fan? War bestimmt nicht so leicht alles. Black Metal war noch nicht erfunden. Lederjacken und Schminke auch nicht. Blieb einem nichts anderes übrig als ohne Black-Metal-Musik den Teufel anzubeten. Das sahen die Dorfbewohner damals natürlich nicht so gern. Waren ja auch alle Schlagerfans. Heimatfilme mit Beridylle und so. Unweigerlich wurde man zum Außenseiter. Folgen wie Vereinsamung, Drogensucht und Kinderfressen waren vorprogrammiert. 

 

So oder so ähnlich ergeht es Protagonistin Albrun. Nach dem Tod der Mutter wächst das Mädchen allein in einem Haus abseits der Dorfgemeinschaft auf. Traumatisiert und durch die Isolation eingeschüchtert führt die Vollwaise ein Leben als Einsiedler und Außenseiter. Wegen ihres andersartigen Lebenswandels und dem reduzierten Kontakt zur Dorfgemeinde wird sie später als junge Frau und alleinerziehende Mutter von den Nachbarn gemieden und verspottet. Trost findet Albrun in der Verbundenheit zur Natur. Die dunkle Seite ruft sie. Der Wald ist lebendig und flüstert ihr zu. Auf einem kleinen Schrein thront der Schädel der Mutter. Als eine Frau aus dem Dorf versucht Kontakt zu Albrun aufzubauen, gerät die Welt der Einsiedlerin aus den Fugen.  


HAGAZUSSA ist ein bildhaftes Außenseitermelodram. Ein Hexenfilm und doch keiner. Vergleiche zu Exploitationware wie HEXEN BIS AUFS BLUT GEQUÄLT erübrigen sich. Trotzdem mit klaren Parallelen zu THE WITCH und ANTICHRIST ausgestattet, führt der Film von Österreicher

und Wahlberliner Lukas Feigelfeld auf drastische und dramatische Weise vor Augen, welch psychische Schäden Isolation und Mobbing verursachen, auf welch geistige Irrwege man geraten und wie sehr man sich auf diesen verlaufen kann. 

 

HAGAZUSSA ist ein harter Film, der weh tut. Der Film spricht in einer wunderschön düsteren Bildsprache. Die Szenen sind so langsam und minutiös, dass es schmerzt. Der Film entschleunigt gewaltsam. Er lässt sich unendlich viel Zeit, versinkt förmlich in seiner reduzierten Erzählweise, watet darin. Das muss man erst mal aushalten. Schafft man dies nicht, fährt der Film über einen hinweg. Allerdings wie eine sehr langsam fahrende Dampfwalze. 

 

Herausgekommen ist Hexenhorror im Arthaus-Gewand. Wegen den psychologischen Elementen der Außenseiterstudie sind auch Vergleiche zu JAGDSZENEN AUS NIEDERBAYERN und THE EYES OF MY MOTHER angebracht. Kritik am Kleinbürgertum schwingt ebenso mit wie an der (vergangenen) Diktatur der katholischen Kirche. Das wirkt wie ein versteckter Mittelfinger in Richtung von Stigmatisierung und des neuen bayerischen Psychiatriegesetzes. Satanismus als Ausdruck von Kreativität und geistiger Gesundheit. Interessante These. Freidenker, passt auf euch auf! 

 

 

Heidi auf der Alm hat den Verstand verloren. Drastisch, düster und genial.

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