THE HUMAN CENTIPEDE

Niederlande, 2009 / 92 Min.

Regie: Tom Six

Darsteller: Dieter Laser, Ashley C. Williams, Ashlynn Yennie

Zwei US-amerikanische Touristinnen haben auf ihrem Eurotrip mitten in einem deutschen Wald eine Autopanne, erreichen stolpernd und irrend das Anwesen des verrückten Arztes Dr. Joseph Heiter (Dieter Laser), werden von ihm gefangen genommen und schließlich zusammen mit einer japanischen Geisel Mund an Arsch zu einem Siamesischen Tripplet, einem menschlichen Tausendfüssler, zusammengenäht.

Was nach einer absoluten Schnapsidee oder einem bekifften Witz klingt, entpuppt sich auch als eben solcher, jedoch in aller Konsequenz und Geradlinigkeit durchgezogen. Was genau Regisseur und Drehbuchschreiber Tom Six geritten bzw. auf die fixe Idee gebracht hat, man könnte doch einfach mal einen Low-Budget-Film basteln, in dem drei Menschen Mund an Arsch zusammen genäht werden, wird wohl für immer ungeklärt bleiben. Fest stehen tut jedenfalls, dass er mit eben dieser Idee irgendwie einen Nerv, vielleicht sogar den Nerv der Zeit, getroffen und einen absoluten Kultfilm im Exploitation-Bereich geschaffen hat, der bislang zwei Fortsetzungen, eine SOUTH PARK-Folge („Human CentiPad“, Season 15, Folge 1) und ein Flash Game* nach sich zog.

“Shit! I Have to Shit! I’m So Sorry!”

Das alleinige Zusammennähen dreier Menschen wäre, auch wenn es Arsch an Mund geschieht, noch nicht so dramatisch (wäre es natürlich doch!), wäre die perverse Grundidee dahinter nicht die eines vergrößerten Gastrointestinal-, sprich: Verdauungstraktes, der die Nahrung, aufgenommen von A, über B transportiert und schließlich über C ausscheidet. Im Klartext kacken sich die Aneinandergenähten gegenseitig in den Mund, weil sie eben Mund an Arsch aneinander genäht sind. Lecker!

Keimen tut diese grandiose Idee im Film in dem kranken Hirn des mehrfach ausgezeichneten, irgendwo während seiner Laufbahn aber seinen Verstand verlorenen Chirurgen Dr. Joseph Heiter (heiter bis wolkig!) – ein Dr. Mengele mit der Maskenhaftigkeit eines Christopher Walken gesegnet. Diese Rolle trägt viel dazu bei, dass es HUMAN CENTIPEDE zu Kultstatus gebracht hat. Diese Rolle ist nämlich so fies, sadistisch und Menschen verachtend gestrickt, dass kein FRONTIER(S), kein MATRYRS, kein Leatherface, kein Jason, kein SAW und auch kein Folterknecht aus HOSTEL ihr das Wasser reichen kann. Dr. Heiter erklärt seinen Geiseln erst via Schulprojektor den Eingriff, den er an ihnen durchführen wird. Später führt er die drei aneinander genähten Menschen in seinem Garten Gassi, peitscht sie mit der Gerte und sperrt sie in einen Käfig.
Dass diese Rolle so zündet, liegt allein an der umwerfenden, über jeglichen Zweifel erhabenen Darbietung des deutschen Schauspielers Dieter Laser. Voll Laser, wie der abgeht! [Sorry, für das Wortspiel] Obwohl man meint, Dieter Laser das erste Mal zu sehen, hat er doch schon in so namhaften Produktionen wie FÜHRER EX und DIE VERLORENE EHRE DER KATHARINA BLUM mitgewirkt. Laser spielt so durchtrieben, so gehässig, so jenseits jeder geistigen Gesundheit, so durch und durch böse, dass er selbst Killerärzte wie Dr. Herbert West, Dr. Giggles oder die Naziärzte aus MEN BEHIND THE SUN in den Schatten stellt. Diese Darbietung allein trägt den Film. Dies wird unübersehbar deutlich durch die minder funktionierende Fortsetzung, in der sowohl Dieter Laser als auch die Rolle des Dr. Heiter nicht mehr vorkommen.

“FEEED HEEER! FEEED HEEER! SWOLLOW IT, BITCH!“

Nach HUMAN CENTIPEDE sollte also nun nicht mehr nur die Slowakei (wegen HOSTEL), sondern nun auch Deutschland von Touristen gemieden werden. Wir als Deutsche kommen hier nicht gerade gut weg, bestehen die Einheimischen doch nur aus gestörten Naziärzten oder ungeselligen, Benz fahrenden Perversen. Ich sag nur:

„Ihr seid doch immer feucht zwischen den Schenkeln.“

HUMAN CENTIPEDE ist ein Loblied auf die Allmacht der Medizin, ein fixe Idee in aller Konsequenz durchgezogen und extreme Expoitation mit Lieblingsfilm-Potenzial. Der Film zwingt dir seine Message (wie immer die auch lauten mag) auf, als wäre dein Mund an den Arsch des Films genäht, als wärst du selbst Mund an Arsch mit dem Film verbunden. Dass alles sehr bedrohlich, ultrabrutal und widerwärtig bis zum Anschlag wirkt, obwohl kaum Spezialeffekte, kaum Kunstblut, kaum plastische Gewalt und (nicht wie in Teil 2) keinerlei Kunstkacke zum Einsatz kommen, ist wohl der eindeutige Beweis für die Überlegenheit des Film, für sein Potenzial, für seine Macht trotz geringer Mittel physisch unangenehm zu werden. Das zeugt von Größe!

Kurzer Rückblick über Filme, in denen Fäkalien verzehrt werden:
1.) DIE 120 TAGE VON SODOM: das fäkale Abendmahl – extrem widerlich!
2.) PINK FAMINGOS: Divine frisst Hundescheiße – super abartig!
3.) STIEFBRÜDER: Will Ferrell leckt an weißer Hundescheiße – auch eklig.
Verglichen mit den genannten Filmen beeindruckt HUMAN CENTIPEDE besonders, da ja im ganzen Film überhaupt keine Fäkalien zu sehen sind.

Fazit:
In Your Face! Eine Ka(c)kophonie an Exploitation-Unterhaltung.

Ungekürzt erschien der Film in Österreich von NSM Records.

Bilder: © Copyright NSM Records

Zum Flashgame:

Brother from another Mother: