I AM THOR

Finnland, Kanada, Schweden, USA, 2015 / 83 Min.

Regie: Ryan Wise

Darsteller: Jon Mike Thor, John Fasano, Lou Ferrigno

Jeder kennt Manowar. Jeder kennt Judas Priest. Aber wer kennt Thor? 

Gemeint ist nicht der Marvel-Charakter, sondern der stämmige Kanadier Jon Mikl „Thor“, ein Muskelprotz, der irgendwann beschlossen hat Superstar zu werden und dieses Ziel seit den 80er-Jahren verfolgt. Der Erfinder und einzige Betreiber des „Muscle Rock“ hat viele Talente. Live auf der Bühne Wärmflaschen aufzublasen und Ziegelsteine auf seiner Brust mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern, gehört da noch zum Harmlosesten. Sein Werdegang hat viele Stationen, darunter die Auszeichnung als „Mr. Canada“ und ein Nackt-Musical auf Hawaii. 
Doch das Herz des Bodybuilders schlägt für Metal. Songs wie „Anger“ und „Keep The Dogs Away“ bleiben unvergessen. Zumindest den wenigen, die sie je gehört haben. 

Trotz seiner imposanten körperlichen Erscheinung ist Thor eine tragische Gestalt. Den Durchbruch hat er nie geschafft. Seine Ausflüge ins Filmgeschäft (ROCK 'N' ROLL NIGHTMARE, ZOMBIE NIGHTMARE) sind Sternstunden der Lächerlichkeit. Seine Geschichte erinnert an ANVIL und BEST WORST MOVIE. Doch ist das nicht SPINAL TAP, sondern der wirklich wahre Werdegang einer musikalischen Ein-Mann-Armee.
Mittlerweile ist der Hüne über 60. Die Pumpe macht nicht mehr mit. Die Muskeln haben sich in Fett verwandelt. Fotos mit KISS, Metallica und Ozzy zeugen von einer besseren, weit zurückliegenden Zeit. Wie Mickey Rourke in THE WRESTLER fühlt sich der Bizeps-Metaller verbraucht und ausgebrannt. Und doch will es Thor nochmal wissen. Er trommelt seine Jungs zusammen und geht ein letztes Mal auf Tour. I AM THOR erzählt von den Strapazen, den Niederlagen, aber auch den Erfolgen dieses letzten Aufbäumens. 

Ist es wirklich die Geschichte eines Underdogs, einer gescheiterten Persönlichkeit? Über Erscheinungsbild und künstlerische Qualitäten lässt sich streiten. Über Attitude aber nicht. Menschen werden älter, Träume bleiben ewig jung. Wieviel Herzblut dieser Mann für den Metal vergießt, verlangt Respekt ab. Da kann man nicht anders als mit erhobener Pommesgabel zu huldigen. 

Fazit: 
Eine wahre Liebesgeschichte!

Bildquelle: bandsintown.com /