ICH PISS' AUF DEINEN KADAVER

Deutschland, 1999 / 88 Min.

Regie: Jochen Taubert

Darsteller: Christoph Krappe, Frank Reglinkt, Erwin Feldkamp, Silvia Kippert

                                            Die wabernden Titten der Dorfmatratze 
                                                                                        
                                                          oder 
                                   
         Wieviel Marmelade man braucht, um einen Splatterfilm zu drehen?




Jochen Taubert. Irgendwie scheint niemand seine Filme zu mögen, d
och ich glaube, das Genie hinter der schäbigen Fassade des No-Budget-Regisseurs erkannt zu haben.  Der Kerl, der mit seinen Sanitäter- und Bundeswehrkumpels Machwerke wie EXHIBITIONISTEN ATTACKE oder PUDELMÜTZEN RAMBOS aus dem Boden stampfte, hier mit einem seiner verruchtesten Filme: ICH PISS' AUF DEINEN KADAVER! ...Gebt euch bitte einen Moment, um den Titel auf euch wirken zu lassen. Fühlt die Transzendenz, die Spiritualität, die mit dem Titel mitschwingt. Fühlt sein Chakra! Lasst ihn sich in euch niederlassen, dann fahren wir mit der Handlung fort. 


Hm, wobei "Handlung"… Gar nicht so einfach, sich aus dem heilen Unfug etwas Griffiges zusammen zu reimen. 

Ein Versuch: 
Das Militär stellt heimlich einen chemisch-biologischen Kampfstoff her, welcher für eine Million Mark an die Mafia verhökert werden soll. [Oh Mann, das ist schon jetzt so dämlich, das alles zu spät ist. Egal, weiter im Text…] Bei einem Probelauf kommt leider der Arzt ums Leben, der für die Fertigstellung des

Virus (?) unentbehrlich ist. Kurzum: ein neuer Arzt muss her. Dieser ist auch schnell gefunden und zwangsrekrutiert, doch ihm gelingt die Flucht und den Kampfstoff lässt er nebenbei auch gleich mitgehen [Jesus...]. Die Bundeswehrgangster sind stinksauer, setzen dem Flüchtigen nach und killen als Zeichen, dass sie es ernst meinen, dessen beide hübsche [...naja] Töchter. Dieser ist danach noch stinkiger und sinnt auf blutige Rache. 

Totaler Scheiß. Wirklich der hinterletzte Rotz. Da besteht gar kein Zweifel. Doch vergesst die Story. Sie ist 1.) völlig nebensächlich, und wird 2.) eh so serviert, dass man überhaupt nichts kapiert. Ständig verliert sich der Plot in unendlich langatmigen und sinnlosen Szenen, von z.B. Weibern, die nackt übers Feld laufen. Also Story außer Acht lassen und sich auf das Wesentliche konzentrieren, nämlich Folgendem: 
Falls es jemand noch nicht mitbekommen hat, Jochen Taubert ist ein Amateurfilmer. Und wenn ich jetzt Amateurfilmer sage, dann meine ich damit eigentlich, dass er so ungefähr der lausigste Filmemacher aller Zeiten ist, alle Menschen, die jemals eine Kamera in der Hand hielten, miteingerechnet, dein Opa inklusive. Zu Werke gegangen wird nämlich – wie im Amateursektor so üblich – mit wackeliger, oft am Geschehen vorbeizoomender Handkamera, viel Unvermögen und noch mehr Übereifer. Eine tödliche Kombination. 
Spezielle Beleuchtung, Kostüme oder Sets – Wozu? Filmen wir halt einfach drauflos und schau’n, was dabei rauskommt. Die Zutaten für die Splatterszenen? Hach ja, ich hab hier 'n bisschen Ketchup, Preiselbeersirup, Marmelade und Blutwurst. Daraus lässt sich doch bestimmt einiges zaubern!

 

Das klingt ja schon mal richtig schlecht. Alles aber kein Vergleich zu den unansehnlichen, untalentierten und selbsternannten Schauspielern, die hier abkaspern. Stellt euch einfach die miserabelsten Laiendarsteller Marke Ossi-Porno vor und ihr seid noch nicht einmal nah dran. 

Die vor der Kamera agierenden Vollpfosten schauspielern mit der Lebhaftigkeit einer Schaufensterpuppe und der Glaubwürdigkeit eines Bill Clinton. Sie stoßen sich beim Umfallen ständig die Köpfe, können nicht richtig deutsch und versprühen mit ihren Tennissocken, den Schnauzbärten und den Mojave-Sonnenbrillen einen heftig negativen Sexappeal. In etwa wie Jörg Dräger, wenn er Rambo imitiert. Ja, solche Sachen gehen hier ab. 
Und die labern einen Stuss. Am laufenden Band fallen Hirntot-Dialoge wie „Wer ist das denn?“ – „Das ist mein Bauer!“. Der hirnerweichende 90er-Jahre-Techno, der hier auf Endlos-Repeat läuft, rundet das „Pleiten, Pech und Pannen“-Flair dann noch sauber ab. 

Was, was um Gottes Willen – und das frag ich mich gerade ganz ernsthaft selbst – ist an diesem Stück Dung sehenswert? Die mitreißende Story kann’s ja wohl nicht sein. Der Splatter auch nicht. Ganz klar, es ist seine Schusseligkeit, sein Dilettantismus, sein Unvermögen und definitiv auch die Tatsache, dass hier niemand zu keiner Sekunde wirklich versucht hat, einen ernsthaften und nicht lächerlichen Streifen hinzuzimmern. 

ICH PISS' AUF DEINEN KADAVER ist eine Komödie und aus dieser Sicht tatsächlich mit Potenzial. Der Film ist wahnsinnig witzig. Ob gewollt oder nicht, sei mal dahin gestellt. In bierlauniger Runde sorgt der Streifen für Zwerchfell sprengende Schenkelklopfer. Der Film hat sogar einen Hubschrauber und einen Panzer. Er bietet so etwas ähnliches wie eine Rape&Revenge-Thematik, wenn auch zur Unkenntlichkeit deformiert. Und im Showdown wird tatsächlich, ob ihr’s glaubt oder nicht, auf einen Kadaver gepisst. Cool! 

 

„Da in der Koffer sind Virus-Bakterien drin.“ 

 

Wenn also in die braune Soße greifen, dann doch bitte gleich mit beiden Händen und danach schön Finger sauber schlecken. Wer sich traut, so offensichtlich dermaßen minderwertige Arbeit abzuliefern, kann meiner Meinung nach eigentlich nur ein guter Mensch sein. Die Fehler, die cineastischen Todsünden, die der Streifen begeht, passen zwar auf keine Kuhhaut. Amüsieren tut der Film aber aus einem sehr ähnlichen Grund wie Ittenbachs PREMUTOS. 
 

Fazit: 
A Movie so „Amateur“ that it’s Going to Hell! 
Wer Splatter, Spannung oder Unterhaltung im konventionellen Sinne sucht, ist hier komplett falsch. 
Wer debilen, zum Kaputtlachen hirnrissigen und handwerklich unzumutbaren Amateur-Trash-Dünnpfiff erwartet, mit dem man die Gäste vergraulen kann, kann bedenkenlos zugreifen. 

 

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