Es

OT: It

USA, 2017 /135 Min. 

Regie: Andrés Muschietti

Darsteller: Bill Skarsgard, Jaeden Lieberher, Jeremy Ray Taylor, Chosen Jacobs

Bilder: © Warner, 2017

Erinnert sich jemand an die 90er? In diesem vogelwilden Jahrzehnt überschwemmten billige Stephen-King-Miniserien die TV-Landschaft. Nur noch verschwommen hat man die dürftigen Spätausstrahlungen von TOMMYKNOCKERS (1993), THE STAND (1994) und LANGOLIERS (1995) vor dem geistigen Auge. Doch denkt man an den TV-Zweiteiler ES (1990) zurück, stellen sich einem wie auf Kommando die Nackenhaare auf. Unvergessen bleiben Tim Curry (ROCKY HORROR PICTURE SHOW) als Killerclown Pennywise und sein breites Grinsen direkt aus der Hölle. Wenn man den Film damals als Dreikäsehoch kuckte, waren einem Alpträume gewiss und man konnte monatelang nicht schlafen. Der Film verstörte nachhaltig, aber man erzählte sich stolz in der Schule davon. 

Nach der billigen TV-Produktion nun das 35-Mio.-Dollar-Remake. Auf dem Regiestuhl der Argentinier Andy Muschietti (MAMA, 2013). Eine US-Kleinstadt in den 80er-Jahren. Wie im Original steht eine Clique Halbwüchsiger, eine „Außenseiterbande“ á la THE GOONIES im Zentrum des Geschehens. Ein Stotteraugust. Ein Asthmatiker. Ein Fettsack. Ein Farbiger. Ein Mädchen mit dem Ruf der Schulschlampe. Von Lehrern gequält. Von Schulschlägern gepeinigt. Von Eltern entweder zu viel oder zu wenig geliebt. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Alle fühlen sich als Versager, wieso sie ihre Gang auch den „Club der Verlierer“ nennen. In ihrem Kleinstadtnest verschwinden Kinder. Die Polizei verhängt eine Ausgangsperre. Plötzlich erscheint jedem der Kids der geisterhafte Clown Pennywise.

"You'll Float Too!"

Im Roman von Stephen King hat „Es“, das titelgebende Monster, keine klare Gestalt und die Kinder werden hauptsächlich von ihren individuellen, materialisierten Ängsten angegriffen. Dies veranschaulicht die Coming-of-Age-Thematik ganz gut. Es geht um Kindheitstraumata, um Scham, Minderwertiggefühle, Angst und darum, wie man sie gemeinsam überwinden kann. Erwachsen werden leicht gemacht mit Pennywise. Und da Coming-of-Age ziemlich angesagt ist in letzter Zeit, erinnert IT auch nicht zufällig an die Netflix-Serie STRANGER THINGS, nicht zuletzt, weil Finn Wolfhard, einer der Kinderdarsteller, in beiden Produktionen mitwirkt. Auch, dass der Plot in den 80's – nicht wie in der Romanvorlage und dem Original in

den 60's – angesiedelt ist, verstärkt 1.) die Gemeinsamkeiten zu STRANGER THINGS und 2.) dieses gewisse Retro-Feeling, das derzeit einfach als Erfolgsgarant und Selbstläufer fungiert (siehe TURBO KID, KUNG FURY, BABY DRIVER, etc.). 

 

"Rushing as a Kid Just to Be Grown Up, Whoever Thought I'd Be the Greatest Growing Up." – Danny Brown

 

Der neue ES ist geworden, wie man sich einen zeitgemäßen NIGHTMARE ON ELM STREET wünschen würde. Ein mordender Kinderschreck mit übernatürlichen Fähigkeiten. Ein abgefucktes Crackhouse am Ende der Straße. Eine Jagd durch die dreckigen Katakomben der Kanalisation. Ein übertrieben, man könnte fast sagen unnötig hohes Maß an Gewalt gegen Kinder, das über die FSK 16 staunen lässt. Für viele steht und fällt das Gelingen des Remakes mit der Leinwandpräsenz von Killerclown Pennywise. Ich sag mal so: der Schwede Bill Skarsgård (ATOMIC BLONDE, DIE BESTIMMUNG) macht seinen Job echt gut und erweist sich als würdig. Schön böse und eine Mischung aus Freddy Krueger und dem Heath-Ledger-Joker. Vielleicht fehlt es ihm an der vollends überzeugenden Diabolik. Dass er nach außen schielen kann, ist jedoch eine Fähigkeit, die man ihm hoch anrechnen muss. Und die Vorlage für das #1-Halloweenkostüm 2017 ist ihm auch gewiss. Für mich persönlich heißt es aber: „Tim Curry über alles!“ 

 

Viel tragender als der satanische Harlekin ist die Performance der jugendlichen Hauptdarsteller, darunter bekannte Gesichter wie Wyatt Oleff (GUARDIANS OF THE GALAXY), Nicholas Hamilton (DER DUNKLE TURM, CAPTAIN FANTASTIC) und natürlich Finn Wolfhard (STRANGER THINGS). Das Schauspiel und vor allem das Zusammenspiel der Halbwüchsigen macht enorm Laune. IT liefert packenden Popcorn-Horror und ist als Remake gelungen. Auch wenn man Pennywise im Vergleich zur unerreichbaren Vorlage Mängel einräumen muss. Aber das war ja irgendwie eh klar… Die Schocks sitzen. Das Kinderblut spritzt literweise. Der Streifen macht Spaß und das wahrscheinlich auch ein zweites Mal. Im Roman taucht "Es" alle 27 Jahre auf. Exakt 27 Jahre nach der TV-Produktion erscheint das Remake. Fortsetzung dann erst in 27 Jahren oder wie? 

 

Fazit:

I’m Loving IT.