IT COMES AT NIGHT

USA, 2017 / 91 Min.

Regie: Trey Edward Shults

Darsteller: Joel Edgerton, Christopher Abbott, Carmen Ejogo, Kelvin Harrison Jr. 

Nachts kommen nicht nur Mücken, Falter und betrunkene, sturmklingelnde 

Exfreundinnen, sondern auch dunkle, gesichtslose Bedrohungen wie in dem Seuchen-Horrorschocker IT COMES AT NIGHT. 

 

Ein postapokalyptisches Szenario. Kommunikation und TV sind zusammengebrochen. Die Menschen in den Großstädten sind wohl einer tödlichen Epidemie zum Opfer gefallen. Die Infizierten bekommen Hämatome am Körper, kotzen Blut und siechen dahin. Mitten in der Abgeschiedenheit der Wälder hat sich Paul (Joel Edgerton) mit seiner Frau Sarah (Carmen Ejogo) und seinem Sohn Travis im gemeinsamen Haus verbarrikadiert. Ein Geflecht aus strengen Regeln hat sie überleben lassen. Eines Nachts treffen sie auf Will. Auch er ist mit Frau und Kind unterwegs und sucht nach Unterschlupf. Nach langem Überlegen nimmt Paul die Reisenden auf. Die Neuankömmlinge fügen sich zunächst gut in die eingespielten Abläufe ein, bis gewisse Zweifel aufkommen...

Infizierten-Horror gab es bis vor zehn Jahren noch wie Sand am Meer. Angefangen mit 28 DAYS LATER (2002) und dem DAWN OF THE DEAD-Remake (2004) bishin zu CARRIERS (2009) und THE CRAZIES (2010). Die ganzen Billig-Produktionen wie THE STINK OF FLESH (2005), CHOCKING HAZARD (2004) und DOGHOUSE (2009) mal völlig außer Acht lassend. Dann Gott sei Dank aus der Mode gekommen, wegen totaler Übersättigung. Spätestens seit THE WALKING DEAD steht jedoch fest: das Zombie-Genre lebt. Die mittlerweile spärlich gesäten filmischen Ausläufer werden kritisch beäugt, da meist nur kopiert und kaum Innovation geboten wird. 

Mit IT COMES AT NIGHT erreicht uns nun eine vielversprechende Independent-Produktion. Im Zentrum des Geschehens ist der Junge Travis. Sein Alltag ist geprägt von Isolation und Frustration. Eben noch wurde der geliebte Opa im Wald verbrannt, weil er sich angesteckt hatte. Jetzt ist sein bester Freund Hund Stanley. Ständig plagen ihn wirre Alpträume irgendwo

zwischen Blutstau und sexuellem Verlangen. IT COMES AT NIGHT ist trotzdem kein Coming-of-Age. Viel mehr geht es um Paranoia. Paranoia vor Infektion, aber auch allgemein. Wo fängt Gastfreundschaft an, wo hört sie auf? Inwiefern kann man überhaupt jemandem vertrauen? Wie schnell schwingt Vertrauen in Misstrauen um? 

Die Story in IT COMES AT NIGHT ist nichts Neues. Alle WALKING-DEAD-Glotzer können davon ein Liedchen singen. Dazu verwendet der Film diverse bekannte Stilmittel. Im Dunkeln wird natürlich nur mit defekter Taschelampe spazieren gegangen. Es gibt den sprichwörtlichen Hüttenkoller wie in Romeros NIGHT OF THE LIVING DEAD. Ich habe mich sehr an THE BATTERY a.k.a. BEN & MICKEY VS. THE DEAD (2012) erinnert gefühlt. 

Wirklich stark machen IT COMES AT NIGHT aber die Elemente, die der Film weglässt. Der reduzierte Erzählstil spart vieles aus. Vieles bleibt ungeklärt und der persönlichen Interpretation überlassen. Die Gefahr ist jederzeit spürbar. Die kahlen, entwurzelten Bäume verstärken das Gefühl der Bedrohlichkeit durch Natur oder etwas nicht Kontrollierbarem. 

 

Unter den Darstellern: Joel Edgerton (BLACK MASS, WARRIOR), Carmen Ejogo (FABELHAFTE TIERWESEN, SELMA), Kelvin Harrison Jr. (BIRTH OF A NATION) und Riley Keough (LOGAN LUCKY).

Es ist der erste große Erfolg von Regisseur Trey Edward Shults (KRISHA). 

 

Fazit:

Zombiefilm ohne Zombies. THE WALKING DEAD im Arthaus-Gewand.