L.A. ZOMBIE

USA, 2010 / 103 Min.

Regie: Bruce La Bruce

Darsteller: François Sagat, Deadlee, Eddie Diaz

Frage: Ist es arg schwul einen Schwulen-Porno gut zu finden? – Antwort: Nicht wenn ein Zombie darin vorkommt.

Bruce LaBruce – hach, was für ein Name! Der Skandal- und Undergroundregisseur der Schwulenszene. Nur wenige seiner Werke sind hierzulande bekannt. Sie tragen Titel wie NO SKIN OFF MY ASS oder HUSTLER WHITE. OTTO; OR UP WITH DEAD PEOPLE, sein erster Beitrag zum Thema “homosexuelle Zombies”, schaffte es vor ein paar Jahren sogar zu einem deutschen DVD-Release und war eine Zeit lang im Saturn neben 18er-Artikeln wie Rob Zombies HALLOWEEN und FIGHT CLUB zu finden. In L.A. ZOMBIE geht LaBruce einen Schritt weiter. L.A. ZOMBIE ist grob betrachtet ein Schwulen-Porno mit allerlei Blasen, Analsex und Männern, die Männern das Poloch auslecken. Gleichzeitig enthält der Film aber auch soviel Kunstblut und Gore wie ein Splatterfilm. Laut LaBruce soll es sich eher um ein Großstadt-Melodram handeln. Allein dieser vermeintliche Genre-Mix, ferner natürlich auch der Umstand, dass der Film auf den einen Festivals abgeräumt hat und auf anderen aus dem Programm geschmissen wurde, sorgten für vermehrtes Interesse meinerseits.

Die Story:
Dem Meer entsteigt ein außerirdischer(?) Zombie mit dem Körperbau eines Arnold Schwarzeneggers zu Zeiten von CONAN – DER BARBAR. Ein Autofahrer nimmt ihn mit in Richtung Stadt. Auf dem Weg dorthin haben sie einen schweren Unfall, den sein Chauffeur mit dem Leben büßt. Als der Zombie den offenen Brustkorb des Toten mit seinem Monsterschwengel penetriert, erwachen in dem jungen Mann wieder die Lebensgeister. Fortan schleicht der Zombie wie ein Obdachloser durch die Ghettos von Los Angeles und kopuliert mit den Leichen vom Schicksal Benachteiligter…



He Came to Fuck the Dead Back to Life… (Werbezeile)
 

Wenn man sich den Inhalt so vor Augen führt, könnte man dem Film tatsächlich sozialkritische Aspekte vermuten. Der Zombie fickt sich durch die komplette Unterschicht L.A.’s. Auf seinem Speiseplan stehen Obdachlose, Gangmitglieder und Verbrecher. Der schwule Untote trägt dabei Klamotten in den Farben der US-Flagge, teils mit Sternen und Streifen verziert. Der Niedergang der USA und ihre immensen gesellschaftlichen Probleme sollen wohl dabei angedeutet werden.

 

Mit gewöhnlicher, handelsüblicher Pornografie hat man es hiermit jedenfalls nicht zu tun, soviel steht fest. Es scheint, als ginge es dem wehrten Herrn LaBruce in der Tat nicht hauptsächlich um die Zurschaustellung pornografischen Inhalts. LaBruce’ Stil ist ein ganz eigener. Hier wird mit verfremdenden Elementen gearbeitet. Der ganze Film kommt beinahe komplett ohne Dialoge aus. Akustisch wird man mit verstörenden Elektro- oder Industrial-Klängen berieselt. Manche Bilder haben beinahe surrealen Charakter. Der Zombie starrt Zähne fletschend in die Kamera. Die Akteure sind meist, während sie es miteinander treiben, von oben bis unten mit Kunstblut verschmiert.

 

In die Rolle des Zombies schlüpfte Francoise Sagat, ein international bekannter Homo-Pornodarsteller. Wahrlich: die He-Man-Actionfiguren damals waren nicht so gut gebaut wie der Kerl. Das dürfte nicht allein das Ergebnis von fleißigem Training sein, wenn ihr wisst, was ich meine… Egal! Bisschen grüne Farbe drauf auf den Klopskerl, Dämonenzähne, die wild aus dem Mund ragen, in die Futterluke gepflanzt und fertig ist der Muskel bepackte Homo-Zombie zum Fürchten und Liebhaben. Sein Instrument zum „Liebhaben“ stellt auch eine „kleine“ Besonderheit dar: Sein Gemächt ist 1.) von stattlicher Größe und 2.) ähnelt es beinahe einem Dorn oder einem Stachel, wobei es sich aber freilich um einen Latexaufsatz handelt. Ach ja, und er ejakuliert Blut wie es auch der arme Robert im Finale von NEKROMANTIK tut. Der Sex läuft also immer so ab: Erst wird mit dem Dornenpenis irgendeine Wunde penetriert, dann fett Blut abgespritzt, dann nachdem der Tote wieder zu neuem Leben erwacht ist, folgt die normale Homo-Erotik, wobei dann ohne Stachelschwanz arschgepimpert wird.Es ist relativ schwer, dieses Stück Film zu bewerten. Klar ist, dass Pornografie hier mitunter als Stilmittel dient. Mir persönlich wäre zwar Hetero-Sex lieber, trotzdem war die filmische Erfahrung sehr interessant. Welche unsäglichen Grausamkeiten bei der Kombination aus Splatterfilm und Hetero-Porno entstehen können, stellt ja in regelmäßigen Abständen der Herr Bethmann unter Beweis. Durch das Aufzeigen der Schattenseiten von L.A., eigentlich ja der Traumfabrik der USA, schwappt tatsächlich so etwas wie Großstadt-Melancholie rüber.So ist mein einziges Problem eigentlich nur das hohe Ausmaß der homosexuellen Liebesszenen. Wenn Pornografie als Stilmittel zum Einsatz kommt, dann sollte das meiner Meinung nach dezenter ablaufen, wie z.B. in KEN PARK, THE BROWN BUNNY oder ANTICHRIST. So ein erigierter Schwanz im Hintergrund hat oft eine einschlägigere Wirkung als Kopulation in Nahaufnahme. Nebenbei bemerkt existieren zwei Versionen des Film: Eine Hardcore-Version, die geschlagenen 106 Minuten dauert, und eine Softcore-Version mit der Laufzeit von nur 63 Minuten. Mir lag die „harte“ Version vor. Kann also sein, dass die softe heterofreundlicher ausfällt. Homophob sollte man aber wohl nicht sein, wenn man sich an L.A. ZOMBIE oder Bruce LaBruce im Allgemeinen heranwagt.

 

Story: (-)(-)(-)(-)(-)Gewalt: (+)(+)(-)(-)(-)

Sex: (+)(+)(+)(+)(-) – sehr viel, sehr homo!

Dornenpimmel: (+)(+)(+)(+)(+)

Schwule Bodybuilder-Zombies óle! Wirklich cool an L.A. ZOMBIE sind seine pessimistische Grundstimmung, seine surrealen Bilder und natürlich die Figur des halbtoten „Mc Fit“-Trainer-Zombies, der sich im Finale optisch beinahe in einen Dämon aus einem japanischen Anime verwandelt. Das selbst die unterste Unterschicht, sei es der schmutzigste Penner oder abgefuckteste Junkie, sexuelle Gelüste hegt, gehört wohl auch noch zu den Möglichkeiten, diesen Film zu interpretieren.Ob man L.A. ZOMBIE auch als Hetero gut finden darf? – Klar, Alter! Die Ästhetik von durchtrainierten Männerkörpern darf auch aus Heterosicht nicht aberkannt werden. Sonst darf man nämlich auch 300 nicht gut finden.Fazit daher:Sp(r)itze!

Bilder: © Copyright by Bruce LaBruce