MANIAC

USA, 1980 / 87 Min.

Regie: William Lustig

Darsteller: Joe Spinell, Caroline Munro, Abigail Clayton

Das ist Frank. Frank ist ein stinknormaler New Yorker. Er ist Single. Er haust in einer schäbigen, schuhschachtelgroßen Einzimmerwohnung. Er geht keiner Arbeit nach. Er ist psychotisch und leidet unter Wahnvorstellungen. Und er skalpiert gerne Frauen. Das Haar sammelt Frank übrigens und setzt es den Schaufensterpuppen auf, von denen er in seiner Wohnung mehrere aufgestellt hat. Definitiv ein Psycho mit Sympathiewert.

William Lustigs MANIAC, längst zum Kultfilm avanciert, ist ein fertiger Bastard von einem Killerfilm. New York, dargestellt als Slum, Dreckloch und Sündenpfuhl (wie in TAXI DRIVER oder COMBAT SHOCK), dem ein Phoenix entsteigt, nicht um den Dreck von den Strassen zu spülen, sondern als Kreatur der Verwirrung und des Wahnsinns. Verkörpert wird Frank von dem bulligen Joe Spinell (ROCKY 1+2), einem wahrlich hässlichem Mistkerl – zumindest hier. Spinell macht aus Frank ein fettiges, versifftes, abstoßendes Monstrum. Tatsächlich eine Glanzleistung, denn nur wenige Filmmörder – nicht einmal Jason, der aus 'nem abgestandenem See kommt, oder Michael Myers, der nie duscht – schaffen es eine derartige Widerwärtigkeit auszustrahlen.

Im Vergleich zu anderen Slasher- oder Frauenmörderfilmen tickt MANIAC doch entschieden anders. So begleiten wir Frank von Anbeginn bis Schluss, auf Schritt und Tritt, schauen ihm beim Würgen und Massakrieren über die Schulter und reichen ihm ein Taschentuch, wenn er sich danach bei seinen Schaufensterpuppen ausheult. Trotz seiner Roh- und Verdorbenheit schafft es Frank auf seltsame Weise Mitleid zu erzeugen und, dass man ihn als tragische Gestalt wahrnimmt. Hatte wohl keine schöne Kindheit der Junge. Und Mama hat wohl auch lieber mit fremden Männern gekuschelt, jede Nacht mit einem andern oder mehreren gleichzeitig. Das geht natürlich nicht spurlos vorüber. Ist also schon nachvollziehbar das mit den Schaufensterpuppen und dem Skalpieren.
MANIAC bietet Unmengen an brutaler, visueller Gewalt, meist gegen Frauen gerichtet. Aber nicht nur: mit die härteste Splatterszene des Films trifft „Sexmachine“ Tom Savini, der hier nicht nur den Eimer mit dem Rinderblut anrührte, sondern auch in einer kleinen Nebenrolle auftritt. Ihm wird in Zeitlupe der Schädel weggeblasen – mitunter einer der deftigsten Headshots der Filmgeschichte (neben dem in WILD AT HEART und der Kopfplatzszene in SCANNERS).

Schaufensterpuppen: (+)(+)(+)(+)(-)

Gore: (+)(+)(+)(+)(-)
Wahnsinniger Fettsack: (+)(+)(+)(+)(+)

Fazit:
Gar nicht lustiges Filmchen von Herrn Lustig. Das Paradebeispiel des Irren von Nebenan. Schlachtplatte und (Pseudo-)Psychostudie in einem. Wahnsinnig gut!