Mother!

USA, 2017/ 121 Min.

Regie: Darren Aronofsky

Darsteller: Jennifer Lawrence, Javier Bardem, Ed Harris, Michelle Pfeiffer

Hausparty bei ROSEMARIES BABY

Wer kennt das nicht: Man will nur eine kleine Hausparty schmeißen und alles läuft total aus dem Rahmen. Es kommen ungeladene Gäste, die noch viel unerwünschtere Leute mitbringen. Alle sind besoffen, benehmen sich unmöglich und aschen auf den Teppich. Aber irgendwie ist man zu höflich, um etwas zu sagen, und will auch keine Spaßbremse sein. Das klingt nach schrillen 90er-Jahre Komödien. Nach EINE GANZ NORMAL VERRÜCKTE FAMILIE (1992), in dem Tom Selleck von seinen tattrigen Eltern in den Wahnsinn getrieben wird. Oder MADHOUSE (1990), in dem Kirstie Alley die Partyparasiten nicht aus ihrer hippen Strandvilla bekommt. 

MOTHER! von Darren Aronofsky (BLACK SWAN, REQUIEM FOR A DREAM) kann man sich so ähnlich vorstellen. Die namenlose Protagonistin (Jennifer Lawrence) würde am liebsten mit ihrem Mann (Javier Bardem) in ihrem frisch renovierten Häuschen die ländliche Abgeschiedenheit genießen. Doch ihr um ein gutes Stück älterer Mann ist ein egozentrischer Schriftsteller und schenkt seiner Frau wenig Gehör. Um seine Schreibblockade zu lösen, gibt er sich gastfreundlich. Ein Fan (Ed Harris) zieht mit seiner Frau (wunderbar biestig: Michelle Pfeiffer) und seinen streitlustigen Söhne ein. Doch die Protagonistin ist hypersensibel und leidet unter der mangelnden Rücksichtnahme, besonders wenn sich herausstellt, dass sie schwanger ist. Vom Partner im Stich gelassen und immer mehr in die Rolle des „Heimchens am Herd“ gedrängt, verliert sie sich in Passivität, Duldsamkeit und höllischen Visionen. Ist mit dem Haus, in dem sie wohnen, alles in Ordnung oder melden sich die Geister der Vergangenheit zu Wort?

MOTHER! ist das glatte Gegenteil einer 90er-Jahre-Komödie. Vergleiche zu Roman Polanskis „Mieter-Trilogie“ (ROSEMARIES BABY, DER MIETER, EKEL) passen da besser. Kein Spaßfilm, sondern anstrengend und intensiv, dass man beinahe körperliches Unbehagen spürt. Er lässt einem kaum eine Verschnaufpause und setzt den Fokus permanent auf die leidende Protagonistin. Soweit eine geniale Achterbahnfahrt in psychische Abgründe. Das Finale, in welchem eine gesichtslose Posse wie in Carpenters ASSAULT das Landhaus stürmt, wirkt nicht nur übertrieben, sondern beinahe albern und hebt das Home-Invasion-Genres auf ein ganz neues Level. Hier ist der Film nahe einer Farce. Ansonsten bietet MOTHER! 1A-Terrorkino und nach der Bibel-Verfilmung NOAH endlich mal wieder einen gelungenen Streifen von Darren Aronofsky, der ohnehin ein glückliches Händchen für zerbrechliche Charaktere am Rande des Wahnsinns hat. 

MOTHER! ist eine horrorhafte Metapher für eine einseitige Liebesbeziehung. Ausbeutung Vs. Verzehrung. Die Leiden einer werdenden Mutter und der Kampf um Privatsphäre. Zweisamkeit gibt es nicht, nur Verschwendungssucht, Märtyrertum und Okkultismus. Ein sinnlicher Höllentrip – bildlich brillant, inhaltlich aber mitunter völlig irrsinnig, was jetzt positiv und negativ verstanden werden kann. 

Jennifer Lawrence (TRIBUTE VON PANEM, SILVER LININGS) spielt super. Die Rolle der fragilen Schwangeren nimmt man ihr aber nur bedingt ab. Javier Bardem (NO COUNTRY FOR OLD MEN, SKYFALL) hat Machismo. Ed Harris (THE ROCK) sieht keinen Tag älter aus als 72 (er ist 66). Michelle Pfeiffer (SCARFACE, BATMAN RETURNS) ist mit ihren 59 Jahren so knackig, dass man ihr das Catwoman-Kostüm immer noch zutrauen würde. Komikerin Kirsten Wiig (DER MARSIANER, GHOSTBUSTERS 3) hat es auch irgendwie in den Film geschafft. 

Fazit: 
Im Fegefeuer der Selbstaufopferung. Irgendwo zwischen ikonischer Kunst und ironischer Groteske.

Bilder: © Copyright Paramount 2017