Der Nachtmahr

Deutschland / 2015 / 92 Min.
Regie: Achim Bornhak
Darsteller: Carolyn Genzkow, Wilson Gonzalez, Sina Tkotsch

Nightmare On Kreuzberg

Die 16-jährige Tina (Carolyn Genzkow) ist ein typischer Teenager in Berlin. Irgendwo zwischen Technopartys und Drogen wartet ein überfürsorgliches Elternhaus und das anstehende Abitur. Seit dem letzten wilden Rave ist Tinas Welt aus den Fugen geraten. Realität und Fiktion geben sich die Klinke in die Hand. In schlaflosen Nächten schleicht ein entstelltes Koboldwesen durchs Haus, das nur Tina alleine sieht...

Mittelalterliches Fabelwesen in der Underground-Techno-Szene Berlins? Eine fragile Mädchengestalt auf dem schmalen Grad zwischen Psychose, Borderline und bösem MDMA-Rausch kämpft mit psychischer Labilität und Fleisch gewordenen Alpträumen. Das klingt nach Bodyhorror á la Cronenberg und überzeichneter Coming-of-Age-Thematik, entpuppt sich jedoch als beanspruchender, ungemütlicher Psychotrip mit deutlichen Ähnlichkeiten zu LOST HIGHWAY, BLACK SWAN, Zulawskis POSSESSION und, für Kenner, Ralf Huettners BABYLON. Dazu harte elektronische Beats und Strobogewitter wie bei Gaspar Noé – fertig ist ein pulsierender Berlinfilm. "Neues deutsches Kino" mit psychischen Knacks. So ähnlich wie BERLIN CALLING nur viel düsterer und auswegloser in der Psychose verhaftet.
Doch um was geht's: Um wilde und zerrissene Jugend? Um Teenage-Burnout?

Bilder: © Copyright Koch Media

Um den verbildlichten inneren Schweinehund? Um den personifizierten Speedkater? Nur soviel: Der Nachtmahr ist ein buckeliges Gollumwesen, ein missgebildeter Embryo. Von ihm geht nur so lange Diabolik und Horror aus, wie man ihn nicht zu Gesicht bekommt, was leider schon sehr früh im Film der Fall ist. Dann ist die

Luft raus und der Streifen erlebt einen deutlichen Spannungseinbruch. Schade, denn da wäre mehr drin gewesen. Beängstigend dagegen, wie es mit Hauptcharakter Tina psychisch vor die Hunde geht. Größtes Lob an die durchstartende, wunderhübsche Nachwuchsdarstellerin Carolyn Genzkow. Daneben sieht Wilson Gonzales Ochsenknecht (DIE WILDEN KERLE) als pinkhaariger Techno-Alchemist ziemlich blass aus, auch wenn er gar nicht so nervt, wie man zunächst meinen könnte.

Hinter dem Pseudonym von Regisseur Akiz verbirgt sich Filmemacher Achim Bornhak (DAS WILDE LEBEN, SCHOOL'S OUT). DER NACHTMAHR ist als Auftakt zu einer Trilogie gedacht. Man kann also gespannt sein. Auf die Lauscher gibt's düsteren Sound von Alec Empire, Boys Noize und Kim Gordon (Sonic Youth), die auch in einer Nebenrolle als Lehrerin auftritt. Ein hypnotischer, knüppelharter Soundtrack, auf dessen Veröffentlichung wir jetzt schon sehnsüchtig warten.

Blu-ray, DVD und Mediabook von Koch Media sind bereits im Handel. 

Brother from another Mother: