THE NEON DEMON

DK, FR, USA, 2016 / 118 Min.

Regie: Nicolas Winding Refn

Darsteller: Elle Fanning, Christina Hendricks, Jena Malone, Keanu Reeves

There’s a new girl in town! Das blutjunge Landei Jesse (Elle Fanning) zieht nach L.A., um Fotomodell zu werden. Die Modebranche ist ein hartes Pflaster und entpuppt sich als garstiger Höllenschlund. Zu Beginn ist Jesse noch verschreckt und weich. Doch der Erfolg bricht ihre Schüchternheit. Alle Fotografen sind verliebt in das „New Girl“. Jesse erlebt einen kometenhaften Aufstieg. Ihre Modelkolleginnen sind darüber gar nicht „amused“ und sinnen auf Rache…

Der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn (DRIVE, ONLY GOD FORGIVES, PUSHER 1 – 3) hat sich in den letzten Jahren klammheimlich zum Enfant terrible des Kunstkinos gemausert. Die Ästhetik seiner Werke ist sehr speziell. Die Bildsprache drastisch, ausdrucksstark und farbenfroh. Die Handlung oft auf die bloße Bildhaftigkeit beschränkt.
In NEON DEMON treibt der Däne Narzissmus und Neonästhetik auf die Spitze. Eine düstere Farbpracht wie in SUSPIRIA und THE COLOR OF YOUR BODY’S TEARS. Die Story ist so dünn wie Esspapier. Dialoge werden auf das Wesentliche reduziert. Die Bilder bieten Interpretationsspielraum und hohen Symbolgehalt. Ein Berglöwe im Schlafzimmer. Die Protagonistin knutscht mit ihrem Spiegelbild. Sphärisch und symmetrisch.
Ästhetik und Grausamkeit gehen Hand in Hand. Immer wieder kommt es zu harschen Gewaltexzessen, was Erinnerungen an EXCISION, UNDER THE SKIN oder den Von Trier'schen Werken weckt. Highlight in Punkto Perversion: eine Leiche muss als Liebespartner herhalten. Ob diese Szene wirklich sein musste und ihre Berechtigung hat, darf jeder selbst entscheiden.

Brother from another Mother:

Bilder: © Copyright Koch Media

Die Hauptrolle ist mit der 18-jährigen Amerikanerin Elle Fanning (TRUMBO, MALEFICENT, SUPER 8) fabelhaft besetzt. Sie ist kein Model, eher eine pausbäckige Lolita. Ihre Metamorphose vom Mauerblümchen zum Vamp mit den abgehobenen Starallüren erinnert an BLACK SWAN.

Umwerfend als zickige, kratzbürstige Modelkolleginnen: Bella Heathcote (STOLZ UND VORURTEIL & ZOMBIES) und Abbey Lee (MAD MAX: FURY ROAD, GODS OF EGYPT). Beide verkörpern das Modelimage par excellence.

In weiteren Rollen: Jena Melone (SUCKER PUNCH, INTO THE WILD) als Leichen liebende Make-up-Artistin, Christiana Hendricks (MAD MEN) und Keanu Reeves (MATRIX, GEFÄHRLICHE BRANDUNG) als degenerierter Motelbesitzer.

 

Der ganz normale Modelalltag. Nekrophilie und Kannibalismus. Fressen und gefressen werden. Im wahrsten Sinne des Wortes. Extrem oberflächlich, was in diesem Kontext sogar Sinn macht. Gar keinen Sinn macht dagegen die Handlung zwischendurch. Alles sehr kryptisch und hochgestochen. Dann plötzlich am Rande der Persiflage. Ein blutüberströmtes Model im Blitzlichtgewitter. Ein Mann namens Bean. Und dass Keanu Reeves ein Alien ist, hätte ich fast nicht gecheckt ;-)

Auch wenn man nicht alles versteht, ist man doch fasziniert. Sei es von der betörenden Bildsprache oder den hypnotischen Neonfarben. Refns Werk begeistert als Festmahl für Ästhetikfetischisten.

 

Fazit:

„Germany’s Next Topmodel“ als Horrorfilm. Stylo!