READY PLAYER ONE

USA, 2018 / 140 Min.

Regie: Steven Spielberg

Darsteller: Tye Sheridan, Olivia Cooke, Mark Rylance, Simon Pegg, Lena Waithe

Mit Batman den Himalaya erklimmen

 

Lang ist es her, dass Steven Spielberg, der einstige Garant für Popcorn-Kino, das Zepter der Regie selbst in die Hand nahm und ein richtiges Brett abgeliefert hat. Klar, LINCOLN und BRIDGE OF SPIES waren vielgelobt. BIG FRIENDLY GIANT war nett, aber eher Kinderkram. Wo sind die waschechten Blockbuster geblieben, die Welterfolge wie E.T. oder JURASSIC PARK, die Millionen Kindheiten für immer verändert haben? Die Antwort: Hier. Und zwar alle. In READY PLAYER ONE. 

 

In naher Zukunft. Die Realität hat vollends ausgedient. Der Großteil der Menschheit wohnt in Slums und flüchtet sich via VR-Brille in die virtuelle Welt von Oasis, dem Multi-Millionen-Player-Online-Game. In der Open World sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Mario Kart des Todes oder fettes WoW-Bashing mit hunderttausenden Playern gefällig? Oasis kann es bieten. Mittendrin: Wade (Tye Sheridan, X-MEN: APOCALYPSE). Wade ist ein Teenager mit wenig Selbstbewusstsein. Aber im Netz sucht er, wie alle, die drei Schlüssel, die Oasis-Entwickler Halliday (Mark Rylance, BFG, DUNKIRK), im Game versteckt hat. Wer die drei Schlüssel besitzt, erhält die vollständige Kontrolle über Oasis. Auch Hallidays Konkurrent Sorrento (Ben Mendelsohn, ROGUE ONE) und seine schwarze Gilde jagen die drei Schlüssel…


READY PLAYER ONE ist eine trickreiche Mischung aus Live-Action- und Animationsfilm. Das Beste am Film ist seine Vielzahl an Cameos und Anspielungen. Die unzähligen Avatare ziehen eine Schneise durch die gesamte Videospiel- und Filmlandschaft der Postmoderne. Da treffen King Kong auf den T-Rex aus JURASSIC PARK und der „Gigant aus dem All“ auf Goro aus MORTAL KOMBAT. Der Delorean aus ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT bekommt genauso eine Erwähnung wie Stanley Kubricks THE SHINING. READY PLAYER ONE ist eine 80er-Jahre-Wundertüte, macht aber bei diesem Jahrzehnt nicht halt, sondern bedient sich der

gesamten Popkultur bis heute. Der Film ist eine kunterbunte, vogelwilde Kollage. Spielberg hat eine Heidenfreude am Neukombinieren und Verwursten. Das hat etwas von Recycling. Das ist nicht unbedingt schlecht, denn Recycling ist hip, voll im Trend und lässt etwas Neues entstehen. Ich meine, gab es jemals Freddy Krueger, Jason Voorhees und Chucky, die Mörderpuppe, in einem Film zu sehen? Und weiter gedacht: Macht das READY PLAYER ONE zum besten Chucky-Film seit 20 Jahren? 

 

Optisch ist READY PLAYER ONE über jeden Zweifel erhaben. Fulminant und opulent wie man das von Spielberg gewohnt ist. Das 3D ist schwindelerregend rasant und lässt visuelle Achterbahnfahrten á la INCEPTION oder MATRIX alt aussehen. Der Overkill an Effekthudelei täuscht gekonnt über die platte, schwülstige Handlung hinweg, die nur wenig Überraschungen bietet. Unter den Schauspielern viel junges Gemüse und unbekannte Gesichter, darunter Olivia Cooke (OUIJA) und Hannah John-Kamen (TOMB RAIDER, KILLJOYS). Namhaften Nebenrollen wie Simon Pegg (STAR TREK, SHAUN OF THE DEAD) und Lena Waithe (MASTER OF NONE) geben einem Halt. 

 

READY PLAYER ONE ist 100% Nerdismus. Ein Easter Egg im Easter Egg und eine tiefe Verbeugung vor der Zockerkultur. Kann vielleicht sogar sein, dass Gamer noch mehr auf ihre Kosten kommen als Filmnerds. Das Ergebnis ist „One Hell of a Trip“. Popcorn-Kino deluxe. Enorm spaßig, wenn auch nicht immer logisch. Dabei macht Spielberg nichts anderes als KUNG FURY, TURBO KID oder, ähm, Andy Warhol, nur eben mit ein bisschen mehr Budget ($175 Mio.). Das Ergebnis ist einigermaßen sehenswertes Eyecandy, ein Meilenstein aber gewiss nicht. 

 

"It's not about winning, it's about playing." 

Fazit: 

100% Nerdismus. 

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