SEED

Deutschland, Kanada, 2007 / 86 Min. 

Regie: Uwe Boll

Darsteller: Michael Paré, Ralf Moeller, Will Sanderson

1979, Vancouver, USA: Der Serienkiller und Massenmörder Max Seed ist dingfest gemacht und sitzt auf dem Elektrischen Stuhl. Obwohl dem bulligen Mistkerl dreimal Starkstrom durch den Körper gejagt wird, gibt er nicht den Löffel ab. Ein Gesetz des Bundesstaates besagt, dass ein Todeskandidat in diesem Falle begnadigt werden muss. Doch das Gefängnispersonal samt Direktor (Ralf Möller) beschließen den Schwerverbrecher bei lebendigem Leibe auf dem Gelände zu verscharren. Gesagt, getan. Am nächsten Morgen werden mehrere Angestellte tot aufgefunden. Ein Detective (Michael Paré) ermittelt... 

"For Everything That Arises Is Worth Destrying." 

Wo Uwe Boll (RAMPAGE, POSTAL, HOUSE OF THE DEAD) draufsteht, ist Uwe Boll drin. Bitte nicht von der einleitenden Inhaltsangabe beirren lassen. Eine Story ist hier nur rudimentär erkennbar. SEED ist ein sinnlos brutales Filmchen, das seinen Härtegrad nicht durch die Gräueltaten seines titelgebenden Killers bezieht, sondern durch andere, völlig sinnfrei eingefügte Szenen. 


1.) Die einführende Szene, in der putzige Nerze bei lebendigem Leibe gehäutet werden, anschließend noch mehrere Momente schmerzverkrampft zucken, bevor sie der Tod von ihrem Martyrium erlöst. 
Tiersnuff? Wow! Uwe, du hast es weit gebracht! Bei dem Filmmaterial handelt es sich um heimlich gefilmte Aufnahmen aus der Pelzindustrie, welche die Tierschutzorganisation PETA zur Verfügung stellte. Völlig sinnlos, hat nichts mit der Handlung zu tun und hat einzig und allein den Zweck zu schockieren. 

 

Bilder: © Copyright Splendid

2.) Den Ermittlern werden mehrere Fake-Snuff-Videos zugespielt. Wahrscheinlich von Max Seed. Wahrscheinlich. Vielleicht aber auch nicht. Gezeigt wird ein Kellerraum, in den nacheinander verschiedene Lebewesen gesperrt werden, um dort zu verhungern und zu verwesen. Zuerst eine Ratte, dann ein Hund, dann ein Baby... Ein Baby. Eingesperrt, verhungert und von Maden gefressen. Also ekeliger und perverser geht echt kaum mehr. Auch wenn die Szene mit dem Baby natürlich Fake ist, bin ich mir bei den verwesenden Tieren nicht ganz so sicher. Hier stößt Boll in die fernen Ekelsphären von A SERBIAN FILM und AUGUST UNDERGROUND vor. Benannte Szenen sind ebenfalls völlig lose in die Handlung eingebettet und haben keinen direkten Bezug zu Max Seed. 

 

3.) Eine 10-minütige Gewaltarie, in welcher einer Frau der Schädel mit der Rückseite einer Axt zu Brei geschlagen wird. Krass brutale Szene, die an IRREVERSIBLE erinnert. Dieses Mal tatsächlich in Action: Max Seed! 

Wie man sieht, reiht der Streifen lediglich Gewaltszenen ohne Storybezug aneinander. Killer Max Seed ist ein kräftiger Kerl im Stile von Michael Myers und den Slipknot-Typen. Seine Maske weist Ähnlichkeiten zu Leatherface auf. Ihr seht, man hat sich überall so ein bisschen bedient. Unterm Strich ergibt das in der Tat einen Film brutal bis zum Kotzkoma, aber leider völlig seelen- und sinnlos. Die Gewalt erlebt man als Zuschauer total teilnahmslos, weil aus dem Zusammenhang gerissen. Sie schockt, lässt einen emotional aber komplett kalt. Ebenso geht es einem mit der Titelfigur. Kein Tiefgang, keine emotionale Bindung, keine Identifikation - ein vollkommen seelenloses Horrorfilm-Serienkiller-Abziehbild, leider aber weit entfernt von Michael und Jason. 

Fazit: 
Tiersnuff und Extreme-Tortureporn eingebettet in eine zusammenhanglose Handlung. Irgendwo zwischen systematischer Provokation und selbstzweckhafter Gewaltorgie. Ein waschechtes "Bollwerk".