SLENDER MAN

USA, 2018 / 93 Min. 

Regie: Sylvain White

Darsteller: Joey King, Julia Goldani Telles, Jaz Sinclair

Eine Highschool-Girlie-Clique ist fasziniert von dunklen Internet-Mythen. Fest davon überzeugt, dass die Legende um den Slender Man frei erfunden ist, beschwören sie den klapperdünnen, gesichtslosen Kinderentführer eines Nachts. Bald darauf verschwindet eines der Mädchen…

Die 2009 im Rahmen eines Online-Fotowettbewerbs entstandene Figur des Slender Man hat sich als ernstzunehmendes Gesicht im Horrorbereich etabliert. Wobei Gesicht wohl genau die falsche Bezeichnung ist. So steht der gesichtslose, spindeldürre Anzugträger meist im Hintergrund auf Spielplatzfotos, zufällig abgelichtet, mit der Umgebung verschmelzend, oft mit Tentakeln bestückt. Eine Verfilmung birgt Potenzial in sich. Der einleitende Vergleich zum Rattenfänger von Hameln ist interessant. Was folgt, ist unausgegorener, nicht funktionierender Teenie-Horror und das hat mehrere Gründe. 

SLENDER MAN entpuppt sich als wüster Mix aus THE RING, BLAIR WITCH PROJECT und NIGHTMARE ON ELM STREET. Als Film ohne roten Faden und blassem Titelmonster. Der Slender Man muss wie der Candyman beschworen werden, was deutlich von der ursprünglichen Idee abweicht. Heraufbeschworen wird das gesichtslose Geschöpf per krass verstörendem, hektisch geschnittenem YouTube-Video. Samara lässt grüßen. Das Filmmonster bleibt wie auf den Fake-Fotos nebulös, fadenscheinig und verkommt im Laufe des Films immer mehr zur Nebensächlichkeit. So steht der Spargelmann eher sinnbildlich für Massenhysterie und psychische Erkrankungen und wird auch als “Computervirus im Gehirn” betitelt. Die Mädels leiden nach der Sichtung des Videos an mörderischen Tagträumen und Halluzinationen von Fratzen, was ungefähr das Unoriginellste ist, was man im

Horrorfilm machen kann. Hysterische Girls, die sich in konstruierten Slasher-Universum-Situationen unlogisch verhalten, durch den Wald stolpern und wüste Hypothesen zur eigenen Rettung aufstellen. Das Prinzip mit den Tagträumen wird komplett totgeritten. Der Showdown, in dem der Slender Man als Spinnenwesen auftritt, wirkt billig und albern. Unterm Strich bleiben Freddy und Pennywise eindeutig die besseren Kindermörder. 

Man merkt, dass SLENDER MAN gerne ein zweiter IT gewesen wäre. An die Qualitäten der Stephen-King-Verfilmung reicht der Teenie-Horror bei weitem nicht heran. Die FSK 16 wirkt beinahe übertrieben. Neben einem (!) zündendem Schockeffekt wachsen einer Schwangeren Tentakel aus dem Bauch. Der Film bietet wenig Schauwerte. Am meisten stört jedoch das Drehbuch, das sich nicht entscheiden kann, was es will, und das den Eindruck vermittelt als wären sich zu viele Kreative nicht einig geworden. 

Mit Joey King (CONJURING, WISH UPON, WHITE HOUSE DOWN) und Julia Goldani Telles (THE AFFAIR). Vom Regisseur von ICH WEISS WAS DU LETZTEN SOMMER GETAN HAST 3 und STOMP THE YARD. 

Fazit: 
Themaverfehlung! Teeniehorror zum Abgewöhnen.