Die SNUFF TAPE Anthology

Deutschland, 2014-2015

Regie: El Gore

Darsteller: El Gore, Philip P., Isabelle Fitzgerald

Ein gefesselter Kerl wird in der Badewanne zu Tode gefoltert.

SNUFF TAPE - RED ist ein fingiertes Found-Footage-Killerfilmchen im Stile von AUGUST UNDERGROUND oder der japanischen GUINEA-PIG-Reihe. Ein maskierter Unbekannter metzelt ein Opfer nieder und filmt alles mit seiner Videokamera. Dazu grunziger Death Metal, um die Stimmung ein wenig zu lockern, und fertig ist ein gottloses, dreckiges, extrem abartiges Filmchen zum Glotzen, während das Baby in der Mikrowelle schmort. 
Der Kurzfilm ist im VHS-Look gehalten, inklusive Störelemente und Bildrauschen. Fans der verspulten Bänder werden ihre blanke Freude an der Ästhetik haben. Mit der zur Schau gestellten Gewalt ist das etwas anderes. Alles extrem sick und jenseits von Gut und Böse. Dabei aber vollkommen inhaltslos, sodass die Laufzeit von 5 Minuten bereits als langweilig empfunden wird. Ferner sind die FX zwar hart, gehen aber kaum über das Niveau von Tomatenketchup hinaus. 
RED ist der erste von mittlerweile neun Fake-Snuff-Shorties aus der Feder von El Gore (GHOULS NIGHT OUT-Trilogie). Man merkt, der Hobbymetzger übt noch. 

Kotzorama.

Teil 1: Red (6 Min.)

Wer mal nicht weiß, was er beim lustigen Filmabend mit der Freundin oder den neuen Arbeitskollegen inklusive Chef in den Player hauen soll, dem seien die SNUFF-TAPE-Filme von El Gore wärmstens ans Herz gelegt. Die Anthology umfasst neun Kurzfilme. Allesamt Fake Snuff im Found-Footage-Gewand. 

Ofenkartoffel: im Ofen vergessen

Teil 3: Dead, Red & Brown (24 Min.)

Teil 2: Red & Yellow (10 Min.)

Ein gefesselter Kerl wird in der Badewanne von einer maskierten Unbekannten zu Tode gefoltert.

SNUFF TAPE - RED & YELLOW ist der zweite Teil der Fake-Snuff-Saga von El Gore (GHOULS NIGHT OUT, PARAPHILIA). Im Vergleich zu Teil 1 gibt es deutliche Verbesserungen. Dieses Mal ist der Killer eine Frau. Der Film ist doppelt so lang. Und der Killer ist dieses Mal eine Frau. Ansonsten alles wie gehabt. Wieder ein Kerl in einer Badewanne. Matsch und Soße. Tüte übern Kopf und schön das Messer rein. Ausweidungen nach Y-Schnitt. Und dann auf die Leiche pinkeln. 
Das klingt doch sehr anspruchsvoll und künstlerisch hochwertig. Wie alle anderen Teile der Saga ist auch RED & YELLOW im Vhs-Look gehalten, ergo: Störelemente, Schlieren und Bildrauschen. Das hat dann wirklich ein bisschen was von Filmkunst. Spaß macht das Filmchen trotzdem nicht. Nicht wegen dem unnötig hohen Gewaltlevel und deren Sinnlosigkeit, sondern weil das Schmonsens mit seiner Laufzeit von zehn Minuten tatsächlich langweilt. Für Filmvergnügen (insofern in diesem Subgenre überhaupt von so etwas die Rede sein kann) müssten die FX besser sein. Leider wandeln diese auf unterem Amateur-Niveau. Und schocken tut hier auch nichts. Fake-Snuff-Fans sind nach AUGUST UNDERGROUND, MORDUM und der japanischen GUINEA-PIG-Reihe einfach Besseres gewöhnt. 

ICH PISS AUF DEINEN KADAVER von Jochen Taubert macht deutlich mehr Spaß. 

Ein unbekannter Kerl will sich seinen innigsten Traum erfüllen und endlich mal Sex mit einer Leiche haben. Deshalb ermordet der Maskenmann eine Prostituierte, lässt sie in seiner Badewanne drei Monate reifen, um schließlich eine heiße Liebesnacht mit ihr zu verbringen.

Wie alle Teile der Reihe im Badezimmer des Regisseurs produziert. Dieses Mal wird das sadistische Treiben sogar mit einer Art Story upgegradet. Diese erfährt der Zuschauer mittels einleitender Texttafel. Doch es gibt noch weitere Verbesserungen. Es kommt zum Beispiel eine Kettensäge zum Einsatz. Die Badewanne wurde extra auf Hochglanz gescheuert. Und waren die FX in den vorhergegangenen Filmen noch auf Amateur-Niveau, erlebt man hier eine deutliche Steigerung. Die hausgemachte Leiche weckt Erinnerungen an NEKROMANTIK oder LUCKER - THE NECROPHAGOUS. 
Das Maß an unnötiger Gewalt und Perversion ist völlig over the top. Die Leiche wird mit dem Klobürstenstiel vergewaltigt. Ihr wird mit dem Löffel ein Auge entfernt. Der maskierte Protagonist pisst auf den stark verwesten Kadaver, bearbeitet ihn mit der Kettensäge und penetriert den abgetrennten Schädel. Zu guter Letzt schneidet sich der (Nek-)Romantiker den Pimmel ab – Happy End. Auch hier nur ganz leichte Ähnlichkeiten zu NEKROMANTIK. 

Wie in den Vorgängerfilmen arbeitet auch Teil 3 mit Verfremdungseffekten und Störelementen im guten, alten Vhs-Look, was das Snuff-Feeling noch verstärkt. Es wirkt, als habe El Gore seinen eigenen Stil gefunden. Was so ein bisschen "Story" ausmachen kann. Und irgendwie tut man sich mit dem Sehvergnügen leichter, wenn anstelle eines echten Menschen nur so ein Pappmascheedingens gefoltert wird. 
Perfekte musikalische Untermalung erfährt diese Romantic-Comedy des Snuff von den Anal Fistfuckers und der Corpsecore-Band Kadaverficker. 

Kotzadellic!

"Schatz, du hast da was zwischen den Zähnen!"

Weil Teil 1 bis 3 gar so spannend waren, spring ich mal zu...

Teil 7: Gore Abortion (20 Min.) ...weil da der Titel so vielversprechend klingt. 

Eine nackte Dame, die gefesselt im Badezimmer hängt, wird von einem Slipknot-Kerl tranchiert... 

Die Erzeugnisse von Amateurfilmer El Gore (GHOULS NIGHT OUT, PARAPHILIA) sind sowas von jenseits von Gut und Böse. Hat man mal die Definition von pervers und abartig vergessen, genügt ein kurzer Blick in sein Repertoire. In Teil 7 seiner Fake-Snuff-Reihe wird's nochmal besonders abstoßend. GORE ABORTION – der Name ist Programm. Eine hübsche, junge Frau, ganz nackt in er Dusche angekettet. Sie muss Pipi und darf nicht aufs Klo. Dann wird der Cannibal Corpse Song "Fucked with a Knife" bildlich umgesetzt. Von hinten, von vorne, überall das Messer rein. Komisch, wieso schreit die gar nicht? Dazu Störelemente wie bei einer alten VHS, um ein authentischen Flair zu erzeugen. Dann plötzlich: Hoppla, die war ja schwanger! Hat man ihr gar nicht angesehen, der Dürren. 

Sowas als Kunst abzutun, fällt extrem schwer. Ebenso von überhaupt etwas ähnlichem wie Sehvergnügen zu sprechen. Filme dieser Art sind extrem grenzwertig, aus moralischer Sicht völlig indiskutabel und genießen eine ähnliche Daseinsberechtigung wie GESICHTER DES TODES, "Two Guys One Horse" und Videos von Flugzeugabstürzen. Der große Unterschied aber: das hier gezeigte ist nicht echt, weswegen man es mit einer gewissen Distanz betrachten kann. Warum aber etwas so Grausames nachstellen? Ist die Welt nicht schon voll genug von Brutalität? Naja, besser man lebt seine Gewaltphantasien so aus als in echt, oder!?

Nur für die Kränksten der Kranken.

Fazit:

Da hat wohl einer zu oft AUGUST UNDERGROUND gekuckt. Wirklich harter Tobak, der auch nur sehr bedingt genießbar ist.

Die Anthology von Blacklava mit allen Teilen der SNUFF-Saga ist dennoch der perverse Olymp des deutschen Amateur-Torture-Porns und ein Mixtape für alle Möchtegern-Serienkiller.