TUSK

USA, 2014 / 97 Min.

Regie: Kevin Smith

Darsteller: Haley Joel Osment, Justin Long, Genesis Rodriguez, Michael Parks, Johnny Depp

Wallace (Justin Long) betreibt mit seinem Partner Teddy (Haley Joel Osment) einen erfolgreichen Podcast (für Dummies: Internet-Radiosendung). Dabei ist er stets auf der Suche nach kuriosen und schrulligen Zeitgenossen, die als Lachnummer für die Nation herhalten sollen. Im kühlen Kanada wird der Hipster fündig: der Tattergreis Howard Howe (Michael Parks) behauptet mit Hemingway gesoffen zu haben. Der ehemalige Seefahrer und Matrose empfängt den versnobten Großstädter bei sich zu Hause, jedoch nicht ohne Hintergedanken: Der durchgeknallte Hobbychirurg träumt davon, einen Menschen in ein Walross um zu operieren, um mit ihm zu kuscheln…

“I Am The Walrus, Goo Goo G'joob, G'goo Goo G'joob.…” – The Beatles

TUSK – bitte nicht verwechseln mit dem verschollenen Werk von Alejandro Jodorowky (HOLY MOUNTAIN, EL TOPO) – ist der neueste Streich von Forever-Jugendlichem Kevin Smith (CLERKS, MALLRATS, DOGMA) und nach seinem letzten Werk RED STATE eine wahre Erleichterung. „Silent Bob“ hat das Filmemachen nicht verlernt, auch wenn es scheint, als würde der Wampus aus New Jersey nie erwachsen werden, sondern, ganz im Gegenteil, nur immer infantilere Gassenhauer auf die Menschheit loslassen. So ist TUSK eine absolute Groteske, ja beinahe eine Beleidigung für Ratio und Vernunft, vor allem aber eines: eine bizarre Komödie, die man nicht allzu ernst nehmen sollte. Der weinerliche Wallace, genial gespielt von Justin Long (STIRB LANGSAM 4, DODGEBALL), endet in einem groben Kostüm, einem furchterregenden, deformierten Latexklumpen und als Mischung aus Walross und Leatherface. Der Plot erinnert stark an HUMAN CENTIPEDE, welchen TUSK quasi durch den Kakao zieht. Michael Parks (KILL BILL 2, DJANGO UNCHAINED, Texas Ranger in FROM DUSK TILL DAWN) macht in der Rolle des verqueren Einsiedlers Howard Howe „Dr. Heiter“ alle Ehre. Für ordentliche Schenkelklopfer sorgt in einer Nebenrolle, fast bis zur Unkenntlichkeit entfremdet, Johnny Depp als kauziger, französischer "Homicide Detective“ mit Dauerschwips. Da muss man echt zweimal hingucken, um ihn zu erkennen. In Mininebenrollen als „Clerks“: die Teenagertöchter von Regisseur Smith und Johnny Depp. Der Sprössling von Depp (und Vanessa Paradis) ist ein echter Hingucker, wenn auch noch nicht ganz legal. Ganz im Gegenteil zu Haley Joel Osment. Der Kinderstar aus THE 6TH SENSE und A.I. hat ordentlich Pfunde zugelegt. Zum Schmunzeln regen obendrein an: „Kill Bill Kid“, der Trick aus BIG LEBOWSKY und der beste Klingelton seit CRANK – Al Pacino verlangt nach “More Margaritas”.
Das Ergebnis ist abgedreht bis zum Anschlag. Da wusste man auf den FFF-Nights 2015 als die Credits erschienen tatsächlich nicht, ob man klatschen oder Kopfschütteln soll. Meine Empfehlung: beides gleichzeitig. Aber bitte mit einem Lächeln.

Fazit:
ANDRE – DIE KLEINE ROBBE goes HUMAN CENTIPEDE. Ein wahrer Antifilm, den man ebenso hassen wie lieben kann. Infantil, bizarr, grotesk – genial! Hätten die SOUTH PARK-Macher Trey Parker und Matt Stone nicht besser hinbekommen.

Brother from another Mother:

Bilder: © Copyright Sony Pictures