WARUM HANS WAGNER DEN STERNENHIMMEL HASST

Deutschland, 2013 / 75 Min. 
Regie: Lars Kokemüller
Darsteller: Hubertus Brandt, Ulrich Bähnk, Nika Kushnir, Sarah Bellini 

Ja, warum denn eigentlich. Ganz klar: Weil der Sternenhimmel so viele Sterne hat, dass man sie gar nicht zählen kann. Das bedeutet Kontrollverlust und das führt zu panischer Angst. Jedenfalls bei Hans Wagner, einem jungen Mann, der aus diesem Grund nie sein Haus verlässt und menschliche Kontakte meidet. Als Hans eines Tages Psychopharmaka und Whisky ausgehen, sieht er sich doch gezwungen einen Schritt vor die Tür zu machen. Prompt verliebt er sich in die Supermarkt-Kassiererin, lernt einen Obdachlosen namens Hobbit kennen und nimmt an einer Speed-Dating-Veranstaltung teil. In einem seltsamen Traum erscheinen Hans eine Fee, die Wünsche erfüllt, und der Sektenführer Gregor. Doch der Wunsch, mit der Kassiererin zusammen zu kommen, wird nicht wahr. Das Glück, das sich Hans seit seinem ersten Schritt aus dem Haus aufgebaut hat, zerbröckelt nun vor seinen Augen. Nicht nur Hans, sondern die gesamte Welt, so scheint es, steuern auf eine furchtbare Katastrophe zu... 

"Radikal & Arrogant" - so nennt sich das kleine Hamburger Produktionskollektiv um Nachwuchstalent Lars Kokemüller, das mit DER PROVOKATEUR und BAAL bereits einschlägige Erfolge verbuchen kann. Der Name der Firma ist Programm. So schert man sich wenig um filmerische Normen und Konventionen. Die Emotionen reichen von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Hans' Positiventwicklung gipfelt in einem zum Kotzen schwülstigen Heile-Welt-Popsong mit Hampelmann-Choreographie und Anajo- bzw. Peterlicht-Texten. Dann beginnt die Talfahrt und Hans muss sich den inneren und äußeren Dämonen stellen. Wer sich fragt, was ein Werk, das zu Beginn den Anschein einer billig produzierten Tragikomödie mit Social-Misfit-Charakter erweckt, in einem Horror-Magazins verloren hat, dem verpasst der finale Twist eine schallende Ohrfeige. So eingängig und brav der Film beginnt, so desaströs, pessimistisch und kryptisch endet er. Ein Film, der auf den deutschen Film-Nachwuchs hoffen lässt. 

Hubert Kah wäre stolz 

Trailer:

Brother from another Mother: