YOUR NAME. – Gestern, heute und für immer

OT: Kimi no Na wa / Japan, 2016 / 107 Min. 

Regie: Makoto Shinkai

Die Leben der beiden Teenager Mitsuha und Taki sind auf wundersame Weise miteinander verflochten. Im Traum tauschen die beiden Jugendlichen die Körper. Mitsuha, das Mädchen aus der Provinz, lebt das Leben des hippen Großstadtknaben. Taki, der gehetzte Bürger Tokios, schlüpft in den Körper des Kleinstadtmädchens. Nachdem ein Komet der Erde gefährlich nahe kommt, endet der Körpertausch. Beide beginnen verzweifelt einander zu suchen, was sich als unmögliche Mission entpuppt...

 

Es ist der erfolgreichste Anime aller Zeiten. Mit einem weltweiten Einspielergebnis von über 300 Mio. US-Dollar knackt YOUR NAME alle Rekorde und somit auch Studio-Ghibli-Hits wie PRINZESSIN MONONOKE und DAS WANDELNDE SCHLOSS. Es ist der ganz große Wurf von Regisseur Makoto Shinkai (GARDEN OF WORDS, DIE REISE NACH AGARTHA), der nun auch im Ausland Wellen schlägt. 

Vordergründig im Gewand einer Coming-of-Age- bzw. Bodyswitch-Komödie á la FREAKY FRIDAY oder SWITCH – DIE FRAU IM MANNE auftretend und auch mit deren Poppigkeit und Humor ausgestattet, jongliert YOUR NAME mit den ganz großen Gefühlen. Es geht um seelische Verbundenheit und die Sehnsucht nach dem Seelenpartner. Um Verliebtheit, die einen trifft wie ein Komet. Ihre Unmöglichkeit, ihre Einmaligkeit und ihre gnadenlose Härte. YOUR NAME drückt dabei ordentlich auf die Tränendrüse. So richtig hardcore. Da bleibt kein Auge trocken. Der Film weiß genau, welche Knöpfe er drücken muss, um den Zuschauer dahinschmelzen zu lassen. Und wir reden jetzt nicht von dieser kindliche Gefühlsduseligkeit, wie wir sie von Disney kennen. Nein, der Streifen spricht wirkliche existenzielle Fragen an. Ich für meinen Teil habe geheult wie ein Schlosshund.  

Bildquelle: imdb.com

Verstärkt wird diese emotionale Tiefe durch sagenhaft bezaubernde Bilder. Das Kometenereignis ist (Zitat:) "einfach wunderschön anzusehen" und brennt sich ins Gedächtnis ein. Nach dem Kinobesuch ertappt man sich beim unweigerlichen Blick in den Sternenhimmel, auch wenn es Januar in Deutschland ist und bewölkt. Die optische Brillanz wird abgerundet von dem melancholischen Piano-Soundtrack von Radwimps. Der packt eine Extraportion Weichspüler oben drauf und man kann nicht anders als sich in den Teddybär aus der Lenor-Werbung zu verwandeln. 

 

YOUR NAME verweist sämtliche westlichen Blockbuster in ihre Schranken. Sei es ein STAR WARS oder die tausendste Comicverfilmung. In Punkto Erzählkino und Tiefgang beweist Japan einmal mehr Weltklasse. Eine Traumreise wie ein guter Murakami-Roman. Ich persönlich habe mich tatsächlich sehr an 1Q84 erinnert gefühlt. Auch unabhängig vom Einspielergebnis ist es der beste und wichtigste Anime seit AKIRA und PRINZESSIN MONONOKE. 

Universum Film brachte den Film im Januar 2018 für einige wenige Screenings nach Deutschland. Man kann nur hoffen, dass der Film noch einmal groß anläuft. Er hätte es sehr verdient.

Trailer: