ZECKENKOMMANDO VS. CTHULHU

Deutschland, 2015 / 88 Min. 

Regie: Lars Kokemüller 

Darsteller: Lars Kokemüller, Lea Ostrovskiy, Philip Spreen, Niklas Bähnk, Elena Meißner 

Das "Zeckenkommando", bestehend aus Kalle, Flash, Brutalo und Xena, ist die krasseste Punkband der Nordheide. Als die Stadtverwaltung ihren Bandproberaum aufkauft, beginnen die Jugendlichen zu recherchieren und kommen einem Geheimbund auf die Spur, der den antiken Totengott Cthulhu anbetet und seine Wiederkehr vorbereitet... 

 

Dem geneigten Leser sollte das Hamburger Independent-Label „Radikal & Arrogant" mittlerweile ein Begriff sein. Die beiden Produktionen CORDELIAS KINDER und WARUM HANS WAGNER DEN STERNENHIMMEL HASST wurden bereits besprochen und sind unten verlinkt. Mit ZECKENKOMMANDO VS. CTHULHU steht uns der vierte Langfilm der Hanseaten ins Haus – eine okkulte Punkrock-Komödie im Found-Footage-Gewand. Wer nun knackige Pogo-Action im Stile von CLASS OF 1984 oder PUNK ROCK HOLOCAUST erwartet, wird leider enttäuscht. Punker sind nämlich auch nicht mehr das, was sie mal waren. Vier aufmüpfige Dorfkinder mit bunten Haaren, die TKKG spielen – das weckt eher Erinnerungen an die Killerpilze als an die Sex Pistols. Die Kleinstadt-Punks philosophieren über Digimon, den Schließmuskel von Kühen und darüber, ob Super Mario zum Massenmord an Schildkröten animiert. Dazu eine satanische Nazisekte und der Bürgermeister tanzt im Wald Ringelreiher. Wenn dann noch die Dämonenapokalypse durch einen Song abgewendet wird, sind wir endgültig bei einer Lo-Fi-Version von DEATHGASM angelangt. 

 

Dennoch: „Radikal & Arrogant" bleibt seinem rotzigen Stil treu und liefert absurde Storyverquickungen mit kafkaesker Komik. Dass die früheren Werke blutiger und morbider ausfielen, stimmt wohl. Auch dass man den David-Lynch-ähnlichen Surrealismus und das Quäntchen Suspens, was die früheren Filme so sehenswert und einzigartig machte, hier schmerzlich vermisst. Trotzdem bekommt man mit ZECKENKOMMANDO phantastische, intelligente Underground-Unterhaltung geboten und ein eigens für den Film produziertes Punkrock-Album oben drauf. Auf den Spuren von Fraktus und Spinal Tap oder wie!? 

 

Tim, Karl, Klößchen und Lovecraft

Brother from another Mother: